Berlin. Winter 2010. Wohin mit dem Schnee?

12. 1. 2010   Morgens nach dem Aufwachen lauschte ich den Bemühungen verzweifelter Autofahrer, die ihre Autos nicht in Bewegung setzen konnten. Sie kamen nicht aus dem Schnee auf und um ihre Parkplätze. Es geschah immer dasselbe: Die Motoren heulten ein paarmal auf und die Antriebsräder drehten durch, was die Sache verschlimmert, denn dadurch wurde das Eis glatter. Irgendwann stiegen die fassungslosen Fahrer aus, umrundeten ihr Auto ein paarmal und gingen weg oder fanden hilfsbereite Passanten, der ihnen halfen, ihre Wagen aus dem Schnee zu schieben. In den meisten Fällen hätte es genügt, wenn die Fahrer eine Tageszeitung oder zwei alte Lappen unter die Antriebsräder gelegt hätten. Der kurze Anfahrtsruck wäre ausreichend gewesen, um die Karre über den Schneewall zu bringen, den die Schneeräumdienste aus welch immer gearteten Gedanken vor die an dem Straßenrand parkenden Autos geschoben haben. Diese Theorie konnte ich vor meiner Fahrt zur Arbeit mit einigen Reklameprospekten in der Fahrspur ausprobieren. Sie konnte in der Praxis standhalten. Mein altes Auto kam ohne großes Theater aus seiner Schneemulde.

Die antreibenden Hinterräder drehen durch.

Die antreibenden Hinterräder drehen wirkungslos durch.

Mit der Hand wird der Schnee in der Fahrspur beiseite gedrückt.

Mit der Hand wird der Schnee in der Fahrspur beiseite gedrückt.

Bedenklich in dieser Situation ist die schwache Leistung der Berliner Stadtreinigung, die einer 20 bis 30 cm messenden Schneedecke nicht gewachsen ist. Sie liegt nun schon ein paar Tage und das Nebenstraßennetz ist mit zermanschtem bräunlichen Schneepulver bedeckt. Darunter befindet sich mancherorts Eis. Kann es wirklich so schwer sein, den Schnee intelligent beiseite zu schieben? Sicher gibt es Straßen, in denen die Möglichkeiten zum Bilden von Schneehaufen nicht gegeben sind, doch selbst dort, wo immer wieder Lücken und freie Plätze vorhanden sind, werden diese kaum genutzt, um dort eine größere Ladung Schnee unterzubringen. Zumindest habe ich das in den vergangenen Tagen nicht wahrgenommen.

Eine Stadt, die momentan mit einem arg reduziertem S-Bahn-Angebot zu kämpfen hat, und somit nicht gerade üppig mit Alternativen zum Auto versehen ist, sollte sich nicht diese Blöße beim Schneeräumen geben.

Neben der Berliner Stadtreinigung gibt es private Räumdienste, die Bundeswehr, das technische Hilfswerk, die Feuerwehr und andere Kapazitäten, die zum Räumen der Straßen eingesetzt werden sollten. Aus ökologischer Sicht ist das Streuen von Schmelzmitteln nicht immer die beste Wahl, um Eis und Schnee auf Straße beizukommen. Doch in der momentanen Situation, die den Verkehr in einer Großstadt stark beeinträchtigt, wäre es eventuell angebracht, die Schneemassen, die nicht beiseite zu schieben sind, mancherorts mit Salzen zu beseitigen. Die Schäden, die an vielen PKW derzeit durch das Parken und Schleifen über hohe Schneebuckel entstehen werden, sowie die zusätzlichen Abgase, die von vielen Anfahrtversuches mit ungewöhnlich hohen Drehzahlen verursacht werden, darf man in einer ökologischen Betrachtung nicht außer Acht lassen.

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17. 1. 2010  In den vergangenen Tagen berichteten wir mehrmals über die Schneelage und unzureichenden Räumungsansätze der Berliner Stadtreinigung (BSR). Die Straßen werden hinsichtlich des Schneeräumbedarfs unterschiedlich bewertet.  Die Hauptstraßen und Stadtautobahnen werden vorrangig vom Schnee befreit; in den Nebenstraßen passierte wenig. In der Regel wurde eine Spur in der Mitte der Straße halbherzig geräumt und dabei derbe Schneewälle vor die parkenden Autos geschoben.   Diesem müssen beim Ein- und Ausparken irgendwie darüber hinwegkommen.

Ganz anders verhält es sich bei einem unbedeutenden und kaum befahrenen  Fortsatz des Nordufers beim Plötzensee im Ortsteil Wedding. Hier muss sich ein Schneeräumteam mächtig ausgetobt haben. Der Schnee wurde akkurat geräumt und auf einem Parkplatz zu einem mächtigen Haufen aufgetürmt.

Geräumtes Nordufer.

Geräumtes Nordufer.

Schneehaufen auf einem Parkplatz.

Schneehaufen auf einem Parkplatz.

Wie die Prioritäten für die Schneeräumung festgelegt werden, ist angesichts der Situation vielen anderen Strassen fraglich. So sieht es in einer Straße  aus, die eine Räumung wahrlich nötiger hätte:

Verschneite Kiautschoustrasse.

Verschneite Kiautschoustrasse.

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