2012 – Sommer?

19. 7. 2012.  Der dritte Anlauf, einen Spaziergang zu machen, scheitert erneut am einsetzenden Regen. Beim Anziehen der Jacke scheint die Sonne und beim Erreichen der nächsten Straßenecke geht es wieder los. Ein kräftiger Regenschauer treibt die Passanten von der Straße. Die nahe gelegenen Biergärten sind leer. Für die Wirte ist dieser Sommer ein Alptraum. Gleiches gilt für gemischte Raucher und Nichtrauchergruppen, die vorzugsweise im Freien zusammenkommen, weil Treffen in den Kneipen mit ungeliebten Kompromissen behaftet sind.

Nasses Kopfsteinpflaster

Nasses Kopfsteinpflaster

Ist es wirklich Juli oder haben wir noch April? Seit Wochen ist das Wetter extrem unbeständig, regnerisch und sehr windig. Schon im vergangenen Jahr war der Sommer verregnet. Wochenlang herrschte auf vielen Gewässern Hochwasser. Und das zur kostbaren Zeit des Sommerurlaubs. Das wiederholt sich in diesem Jahr. Die sonst um diese Jahreszeit zu hörenden Meldungen über die Waldbrandstufen bleiben aus. Beim Weg zurück in die Wohnung fällt mir Rudi Carrells alter Schlager ein: „Wann wirds mal wieder richtig Sommer? Ein Sommer, wie er früher einmal war. Ja mit Sonnenschein von Juni bis September …“ Es muss früher schon ähnlich miese Sommer gegeben haben.

Dunkle Wolken ohne Ende statt sommerlicher Sonne

Dunkle Wolken ohne Ende statt sommerlicher Sonne

Die herbeigesehnten Tage mit Dauersonnenschein, von denen Carrell sang, würden die Redakteure der Medien unter Mißachtung der Tatsache, dass es sie früher tatsächlich gab, zu den üblichen Schauermärchen über eine bedrohliche Erderwärmung veranlassen. Diesmal müssen sie sich etwas anderes ausdenken. Glücklicherweise wackelt der Euro. Der gibt Stoff genug für die Gazetten.

Fatalerweise weicht der immer wieder kommende Regen die Böden der Parks auf. Das Joggen wird zu einer matschigen Spritzpartie. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Wenn die Sonne zwischendurch scheint, ist es warm und schwül. Wer mag unter solchen Umständen einen stickigen Regenumhang tragen? Petrus, hab Erbarmen und gib uns endlich unseren Sommer!

Wind und Regen im Anmarsch

Wind und Regen im Anmarsch

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3. 8. 2012.  Am Plötzensee ist jeder freie Platz belegt. Das Strandbad ist voll. Auf der gegenüberliegenden Seeseite liegen die Sonnenhungrigen eng wie Sardinen in der Büchse aus der Wiese oberhalb der Terrasse.  Auf der FKK Wiese schlendern Nackte mit der in dieser Szene typischen Langsamkeit durch die Gegend, als ob das Ablegen der Kleidung automatisch einen entspannten Gemütszustand bewirkt.  Das Nordufer ist von den Freibadbesuchern zugeparkt. Jogger kabbeln sich mit Muttis, die den schmalen Gehweg mit abgestellten Kinderwagen blockieren, um irgendwas am Auto zu machen. Der heiße Sommertag während der Ferien lockt die Leute heraus. Die vielen kühlen und regnerischen Tage des anhaltend wechselhaften Wetters  sind an den wenigen Sonnentagen auszugleichen.

Am Abend ändert sich die Lage. Bereits aus der Ferne ist der fallende Niederschlag unterhalb der dunklen Wolken zu erkennen. Es grummelt, es blitzt, ein Unwetter naht. Dann beginnt das Geprassel! Mit lauten Schlägen knallen Hagelkörner gegen die Scheiben und auf die verzinkten Fensterbretter. Die Eisstückchen sind groß, einige wie Eiswürfel aus der Tiefkühltruhe. Dazu fällt viel Regen. Das laut Prasseln gegen die Fenster weckt Befürchtungen um den Zustand der Fensterscheiben. Halten die das aus? Rasch bilden sich in den Zwischenräumen der Kastenfenster der Altbauwohnung Pfützen. Wie kommt das Wasser dort hinein? Vermutlich ist das Holz durch die tagelange Hitze geschrumpft. Dadurch sind Ritzen entstanden. Auf dem Balkon bleiben viele Hagelkörner in den Blumentöpfen liegen. Die Temperatur sinkt in wenigen Minuten von 27° C auf 17°C.  Nach einer Viertelstunde ist das Unwetter vorbei und zieht weiter.

Hagelkörner

Hagelkörner

Eis im Pflanztopf

Eis im Pflanztopf

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