Neue KFZ-Kennzeichen statt Rodelspaß

Jeden Februar freue ich mich über Kälteeinbrüche, die Seen zufrieren lassen oder Schnee für die Rodelbahnen bringen. Das sind perfekte Gelegenheiten, um die körperliche Trägheit und Unbeweglichkeit nach den dunklen Vormonaten durch Eislaufen oder Rodeln loszuwerden.

Aktuell sind die Bedingungen ideal zum Schlittenfahren. Fünf Autominuten entfernt kann ich in einem Park den Wagen abstellen, um nach 300 m an einer fantastischen Rodelbahn mitten in Berlin zu stehen. Fünfmal heruntergefahren und jeweils den Hang auf dem glatten Weg wieder hochgelaufen, sind ein exzellentes Fitnessprogramm.

3. 1. 2010. Berlin. Mitte. Wedding. Park Rehberge. Rodeln. Schlittenfahren. Schnee.

Allerdings fällt es diesmal aus, weil mir jemand das vordere Kfz-Kennzeichen gestohlen hat. Das alte Kennzeichen ist zu entwerten und es müssen neue beantragt werden. Was für ein Akt in Berlin, wo Zulassungsstellen telefonisch gar nicht erreichbar sind und das Auto für einige Tage von der Straße verschwinden muss, weil keine Kennzeichen dran sind. Normalerweise würde man im hinteren und vorderen Fenster Zettel mit kurzen Erklärungen auslegen sowie Kopien der Anzeige bei der Polizei, jedoch geht es bei diesem Wetter nicht, weil der Schnee die Scheiben bedeckt. Durch Herumhorchen in der Nachbarschaft ergab sich eine Lösung. Das Auto konnte  auf dem Betriebsgelände einer Tischlerei abgestellt werden.

Danach hatte ich das „Vergnügen“ wieder mal mit der Berliner U-Bahn fahren zu dürfen, um einen Kfz-Anmeldedienst in Moabit aufzusuchen. Steht man in den tristen, feuchten und zugigen Stationen, auf denen fast immer irgendwelche anderen Menschen sind, denen man sonst gerne aus dem Weg geht, wird einem das Privileg des eigenen Autos bewusst.

Während ich in der U-Bahn-Station Turmstraße auf die nächste Bahn wartete, nuckelte jemand neben mir an seiner Sternburg Flasche, während auf der anderen Seite ein schlanker, sehr aggressiver Typ laufend in sein Smartphone kreischte: „Ich ficke dich!“ Beim Aussteigen in der Amrumer Straße konnte ich einem Zusammenstoß mit zwei Damen gerade noch ausweichen, die beide beim Laufen aus Plastiktellern mit Pommes, Mayo und Wurst aßen.

Bei allem politischen Gerede, dass man die Menschen vom eigenen Fahrzeug abbringen möchte und sie stattdessen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, fehlt mir das Verständnis dafür, dass die Betreiber der U- und S-Bahnen kein entschlossenes und kompetentes Aufsichtspersonal auf den Bahnhöfen haben, das für Ordnung, Benehmen und Sicherheit sorgt. Solange die Bahnhöfe mitunter wie Zombigrüfte mit einigen asozialen Statisten wirken, denen man gar nicht aus dem Weg gehen kann, werden viele Menschen sie aus gutem Grund meiden.

Lieber wäre ich zur Rodelbahn gefahren und hätte mich im Schnee ausgetobt, anstatt gerade in diesen Tagen auf das Auto zu verzichten und stattdessen das triste Drama in der U-Bahn zu erleben und einem Berliner Hinterhofbüro meine KFZ-Papiere anzuvertrauen.

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