Rhinluch. Wo die Kraniche rasten

Vom Autobahnabzweig ‚Kremmen‘ kommend, führt eine Landstraße vom Örtchen Orion nach Fehrbellin. Auf halber Strecke zwischen Orion und Linum gibt es eine Kreuzung an einer kleinen Ansammlung Häuser. In Erinnerung an ihre Funktion zur Zeit der DDR heißt diese Stelle ‚Am Kombinat‘. Ein schmaler Weg, die Linumhorster Straße, zweigt nach Norden ab. Sie wurde 2011 zur Allee des Jahres gekürt. Wie ihr Name sagt, führt sie nach Linumhorst, einem Ort aus wenigen Häusern im scheinbaren Nichts. Tiefstes Outback keine Stunde vom Zentrum Berlins entfernt. Links und rechts der Linumhorster Straße erstreckt sich eine flache Ebene aus riesigen grünen Feuchtwiesen. An einigen ‚Einfahrten‘ für Bauern auf Traktoren zum Mähen der Wiesen, stehen Tafeln, die das Betreten der endlos erscheinenden Wiesenlandschaft verbieten.

11. 1. 2014. Brandenburg. Rhinluch bei Linumhorst. Feuchtwiesen. Entwässerungsgraben

Brandenburg. Rhinluch. Landschaft

Die Verbote gelten in der Kranichsaison, denn die großen flachen Wiesen bieten den rastenden Zugvögeln die Möglichkeit weit zu gucken und nahende Feinde früh zu erkennen. Die Fluchtdistanz der Vögel wird mit 300 Metern angegeben. Man kann sie von der Straße aus dem Auto beobachten oder benutzt starke Ferngläser und Spektive. Zu den hartnäckigen Irreführungen über die lokale Flora und Fauna gehört die Geschichte, dass Linum ein Rastplatz für Kraniche sei. Zwar brüten dort Storche und zahllose Gänse versammeln sich in der Umgebung und auf den Teichen des Ortes vor ihrem Zug in den Süden. Auch sind im Herbst viele fliegende Kraniche in den Morgen- und Abendstunden zu beobachten. Doch tagsüber stehen sie kilometerweit entfernt auf abgeernteten Feldern. Und abends versammlen sie sich auf Wiesen, die für die mit dem Auto nach Linum gefahrenen Besucher praktisch unerreichbar sind. Wer sie finden will, muss nach Linumhorst fahren.

18. 1. 2014. Brandenburg. Rhinluch. Ein historischer Briefkasten im Niemandsland.

Briefkasten im Nichts

Außerhalb der Kranichsaison kümmert sich niemand außer weit entfernten Rehen um die wenigen Spaziergänger, die herkommen, um mal richtig durchzuatmen. Die Gegend ist nicht bar diverser mysteriöser Objekte. So gibt es an einem Weg, der zur nicht mehr existierenden Rhinschleuse führt, einen uralten Briefkasten, in dem wir tatsächlich neuere Prospektsendungen entdeckten.

Eine Antwort auf Rhinluch. Wo die Kraniche rasten

Schreibe einen Kommentar