Monamorie. Dating trotz fester Beziehung?

Fall 1: Ein Jahr verliebt, 25 Jahre zusammengehalten, das Haus gebaut, die Kinder groß gezogen. Die Arbeit ist erledigt. Die Rente aber noch in weiter Ferne. Viele aktive Jahre voller Saft und Kraft sind übrig. Was jetzt? Von vorne anfangen geht nicht.
Fall 2: Vielleicht arbeitest du wochentags ein paar Hundert Kilometer von deiner Familie entfernt in einer Stadt und führt ein zweites Leben in der Zweitwohnung.
Fall 3: Vielleicht machst du Karriere und hast keine Zeit für feste Bindungen. Dir geht die Arbeit vor oder es will sich keiner fest, der dich interessiert, auf dich einlassen.

Kontaktaufnahme

Dem ersten und zweiten Fall ist die stabile, bewährte und erhaltenswerte Beziehung wichtig. Sie soll erhalten werden, aber das Prickeln ist längst weg. Eine Beziehung soll alles geben bis dass der Tod euch scheidet. Wer temporar und modular woanders sucht, geht fremd und betrügt den Partner, heißt es.  Erstrebenswert oder falsch? Darauf beharrend aus Angst vor den letzten Jahren ohne helfendem Partner?  Dank unserer gestiegenen Lebenserwartung  und unseres Wohlstandes stecken wir in einem Dilemma.  Fehlt uns die notwendige Konsequenz für Veränderungen der gesellschaftlichen Beziehungsrituale oder eine Anleitung für das konstruktive Fremdgehen?

Standpunkte:  „Knisterndes Feuer im Kamin, Rotwein und Spagetti, danach gemütlich zusammengekuschelt einschlafen ohne Sexzwang, Rumlaufen in Schlappen und nicht öffentlichen Hausanzügen… “

Das will ich auch! Das will ich nicht! Ein Widerspruch. Manchmal ja, manchmal nein.

„Der Autor dieser Monamorie Artikel steckt in einer Sinn- und Selbstbestätigungskrise. Die Fähigkeit zur Kontaktaufnahme scheint vorhanden zu sein. Das Handeln jedoch gleicht einem Spiel mit dem Feuer.“

Das ist immer richtig. Zumindest der erste Satz.  Sinnkrise ist immer …..

„Eine Frau, die in mein Zeitfenster passt und mir zur Verfügung steht, die ich anerkenne, mir empathisch zuhört, die dreimal in der Zeit mit mir Sex will, mich nicht einschränkt, keine Fragen stellt, die ich belügen müsste, sich selbst versorgt, nicht einfordert, ihr eigenes Geld verdient und mich nicht kritisiert sondern unterhält, die jung, schlank, hoch intelligent, und sexy ist und die Monamorie lebt……“

Ja, das will ich auch, das will doch jeder. Was kann es besseres geben? Diese Ebene erreichen die Partner nur gemeinsam: Mann mit Frau, Frau mit Mann, Mann mit Mann, Frau mit Frau. Nichts spricht dagegen, es auch in langjährigen monogamen Beziehungen zu realisieren und jedem zu wünschen. Mit Monoamoriekompetenz glücklich ins 3o. Ehejahr, ja warum nicht.

Benötigt werden dabei die Kompetenzen, kommunikativ, sozial, sexuell, ichbezogen und lebenserfüllend. Wir warten auf die ersten Erfahrungsberichte hier bei oxly demnächst …. hoffentlich.

Der kleine Startballon „kompetente Monamorie (engl. Monamory)“ hier bei oxly ist aufgegangen. Einem durchaus diffusem Artikel folgten Kommentare, die Unverständnis, Angst, Sympathie und Heuchelei ausdrücken. Das gesamte Spektrum der möglichen Resonanz.

Es ist sicher einfacher das Thema in einem guten Gespräch zu präsentieren, es spiegelnd zu diskutieren, es nicht diktieren, es leben lassen, überzeugend und auf hohem Niveau. Die schriftliche Form hängt in der Luft, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Ein Autor wird sich finden,  z.B. Polyamorie-Bücher gibt es schon in jedem Buchladen.

Beide Themen greifen gesellschaftliche Normen an, Moral und Gesetze werden in Frage gestellt, Traditionen hinterfragt …  Nun sind die ersten Bücher über Polyamorie erschienen. Das ist gut so. Aber nicht ausreichend.

Polyamorie wurde ursächlich übrigens von Frauen entwickelt, die nicht mehr den Männern zusehen wollten, wie sie durch die Nächte strolchten. Die Polyamorie-Frauen haben sich mit Lovern zugedeckt und dieses süffisant den aktuellen Männern ausgebreitet, ob sie wollten oder nicht. Die Männer haben sich dann bei der Party kennengelernt, was blieb ihnen auch übrig, sie haben Verständnis geheuchelt und spätestens bei bettinternem Wissen über den Anderen ihre Machtspiele gespielt und wenn sie nicht gestorben sind, dann polyamoren sie noch heute….

Monamorie will das nicht. Zum Schutz der Beteiligten im selbstgewählten Zeitfenster. Das monamore Zeitfenster erfüllt alle Wünsche nach Ich-bin-Gemeint und Fürsorge, da in dem Zeitfenster die Zeichen gesetzt werden auf Wiederholung, auf Belohnung.

Das bekommt niemand geschenkt. Hier kommen die monamoren Kompetenzen ins Spiel. Es ist eben nur ein ZEITfenster, ein vereinbartes, ein kurzes, ein langes, ein unterbrochenes, ein fortgesetztes. In diesem ZEITfenster ist kein Platz für Streit und Druck. Entscheidend ist dabei auch, nichts von den anderen Zeitfenstern einfließen zu lassen. Nicht die Abschussquoten zu präsentieren. Keine Eifersucht zu provozieren, keine Besitzansprüche. Im Gegenteil, vorbereitet sein, die Zeit aktiv gestalten, die gemeinsame Zeit nutzen, sie als das Wertvollste erkennen, das es gibt. So ist Monamorie ein Instrument des Vertiefens, ein Plädoyer für die gemeinsame Zeit. Es ist doch wirklich skurril und bizarr, wie viele lebenslängliche Paare mit ihre Zeit umgehen, als wenn sie zu viel davon hätten. Haben sie aber nicht. Es gibt kein Leben auf Probe. In einem monamoren Fenster hat jeder Zeit für den anderen, er/sie muss Zeit haben und schätzt diese, da ist keiner müde oder hat Migräne, kommt zu spät oder geht zu früh.

Es ist doch kein Problem das Fenster den Bedürfnissen anzupassen. Es zu verschieben, wenn nicht passt. Doch wenn es sich öffnet, dann ist es soweit. Und das ist das Wichtigste: Sich darauf zu freuen. Es genießen von der ersten bis zur letzten Sekunde. Sich nicht stören lassen. Einleitung, Hauptteil, Schluss.

Nichts von den anderen Zeitfenstern einfließen zu lassen. Das ist polyamor.

„Das geht bei mir schon mal gar nicht. Ich sage, was ich denke und kann Emotionen nicht von Situationen trennen. Manchmal hätte ich es gerne so, aber irgendwann holt es mich ein und ich würde beim Sex einen falschen Namen flüstern oder Dinge erzählen, die ich vorher mit jemand anderem besprochen habe. Ich bin immer noch fest überzeugt, dass das nur funktioniert, wenn niemand zu viel Gefühl in die Sache investiert. Und ich bin nun mal 100% Gefühlsmensch. Das kann ich nicht ändern. Und was ist, wenn ich mich verliebe?“

Ja, das ist immer ein Problem. Liebe ist der Zustand des freien Falls.  Monamorie funktioniert leichter, wenn man sich nicht verlieben will. Doch, wenn doch???

Was ist Liebe? Der Zustand der Besinnungslosigkeit oder der unkontrollierte Ausbruch der Glückshormone? Ein Fehler der Evolution oder das Meisterstück?

Späte Liebe braucht Kontrolle. Zumindest nach der Familienphase, nach der 1. großen Liebe, nach dem Hausbau. Denn Liebe ist etwas nicht Beeinflussbares, wenn sie plötzlich kommt, aus heiterem oder verhangenem Himmel. Nur die monamoren Kompetenzen können sie kontrollieren, ja mehr noch, sie müssen. Sonst ist alles schnell weg, die Liebe und das Geld.

Jeder ist 100% Gefühlsmensch, beeinflussbar, erpressbar und sollte nicht zulassen, was nicht sein 6. Sinn abgenickt hat. Der Sinn der die Entscheidungen trifft.

Authentische Gespräche in einem Zeitfenster laufen nicht ohne Wahrheiten und Realitäten zufriedenstellend … aber … es ist doch wirklich etwas anderes, Zweifel zu hegen an dem lebenslänglichen Versprechen einer von gesellschaftlichen Normen und Wünschen medial gesponserten und damit diktierten rechtverbindlichen Langzeitbeziehung oder voyeuristisch vom letzten Kurzzeitfenster zu erzählen und die Trophäe der Nacht zu präsentieren.

Es geht z.B. um Kommunikationskompetenz.
Das wäre nun der 1. Begriff im Konzert der Monamoriekompetenzen. Zuständig sein nicht fürs Reden, sich zuständig fühlen für das Verstanden werden, das ist der große Unterschied. Nicht suchen, sondern gefunden werden, das ist das Ziel von Kommunikationskompetenz. Das hat natürlich unglaublich viel mit gezielter Kommunikation (Werbung) und Empathie (ich weiß was du denkst) zu tun.
Aktion/Reaktion. Demnächst auf oxly academy….. Monamorie will diskutiert werden.

Wenn mit dem ersten öffentlichen Monamorie-date das Olympiastadion gefüllt ist, danach die Monamorie-Liste über die 5% Hürde klettert, wir eine polyamore lesbische Kanzlerin haben und der monamore Außenminister des Koalitionspartners das G9-Treffen erfolgreich für sich selbst nutzt … na, da kann doch nix mehr passieren. Make love not war! Irgendwie kommt einem das bekannt vor???

Für die monarmore Zukunft ist eigentlich alles vorbereitet. Doch das digitale Leben macht es uns zunehmend schwieriger unsere monarmoren Kompetenzen zu trainieren. Wir müssen uns dafür nämlich sehen, riechen, fühlen, tasten und schmecken. Na denn…….


26 Antworten auf Monamorie. Dating trotz fester Beziehung?

  • Dolly

    Yeah, yeah, yeah. Beat the drums. Make love not war – ist kein Argument für Fremdgehen statt Treu bleiben. Die Möglichkeit, immer wieder etwas Neues zu bekommen, ist kein Grund für den ständigen Wechsel. Wer geht täglich in den Mediamarkt und kauft sich neue Geräte, obwohl die eigenen bestens funktionieren?
    Gut, wer den Partnerwechsel mag, geht diesen Weg. Es gibt viele, die (zeitweilig) so denken.
    Kompetenz zur Gefühlskontrolle? Da haben die Wohlhandenden es doch sehr gut. Ab in ein rotlichtiges Etablissement und dort sind die Damen mit der Kompetenz und ihren Zeitfenstern. Einnmal blasen, 20 Minuten, macht 40 €. Klare Sache, eindeutiges Zeitfenster, hohe Kompetenz.

    Und das hier: „Mann mit Frau, Frau mit Mann“ Wo bleiben die Transen, Schwule und Lesben? Pardon, da wird die ‚polyamore lesbische Kanzlerin‘ erwähnt.

  • Dieter

    Monamorie oder Monoamorie, die Begriffe sind mir egal. Im Grunde finde ich sie scheußlich, so wie die lateinische Bezeichnung für eine Krankheit. Das Thema Partnerschaft ist grundsätzlich immer interessant. Dauerpartnerschaft, oder parallel dazu in Zeitfenstern zusätzlich andere Begegnungen oder die Kettenbeziehungen von one night stand bis ein bischen länger, ist alles da und immer dagewesen. Beständigkeit oder Abwechslung, Zufriedenheit oder die Angst etwas zu verpassen, Gemütlichkeit und Sicherheit versus Feuer und ständiger Herausforderung. Verwendet fröhliche Begriffe und keine halbwissenschaftlichen Legitimationsversuche oder vermeintlichen Entdeckungen von unterdrückten Phänomenen.
    Also dann, wer viel vögelt, kann deswegen noch lange nicht fliegen.

  • sunset

    Meine Oma sagte immer wenn eine spärlich bekleidete Frau auf dem Bildschirm erschien, „Ist nichts auf dem anderen Programm?“.
    Wir sollten doch solche Monamorie-Überlegungen nicht einfach wegzappen, geleitet von Berührungsängsten.
    Monamorie ist interessant, birgt sie doch die Weiterentwicklung in beide Richtungen, Relaunch der alten Beziehung oder Weiterentwicklung der Neuen.
    Reduktion auf Puff und Vögeln demaskiert lediglich den Schreiber.
    Also etwas mehr Niveau hier…..

  • Susanne B.

    @sunset:
    Die hier theoriesierte Monoamorie, die ja eigentlich von Polyamorie kommt, bedeutet aber nicht „Relaunch der alten Beziehung oder Weiterentwicklung der Neuen“, sondern beide leben. Oder mehrere. Wenn es eine Entwicklung gäbe, würde ja der Poly-Partner dann doch wieder Mono leben. Und grade DAS will der ja nicht!
    Ich denke mir, dass es Menschen, die sich mit solchen Themen beschäftigen, warscheinlich zu gut geht. Zuviel Platz im Kopf für Hirngespinste.
    Als ob es nichts Wichtigeres gäbe als das. Also ich würde es „wegzappen“. Für mein Leben nicht relevant..

  • Kathrin Loose

    „In einem monamoren Fenster …. ist keiner müde oder hat Migräne“…

    Ich will alles und nur das Beste von dir, das schlechte kannste dann woanders ausleben.
    Das ist dann der Inbegriff von Beziehungsunfähigkeit und emotionaler Schwäche und hat nichts mit Kompetenz zu tun.
    Ich liebe es, wenn mein Partner mir den Nacken massiert und sich meine Sorgen anhört bis der Kopfschmerz weg ist und dann lachen wir gemeinsam und so klappts auch mit der Liebe.

  • bofrost

    Hallo Leute.
    immer entspannen. Mann/Frau kann doch nur dazulernen. Ich verweise auf den Epikurismus, dem schon Friedrich der Große anhing, ein Kämpfer für die Idee, das die Lebensfreude allein, Heiterkeit und Genuss, ein erfülltes, glückliches Dasein ausmacht.
    Wer sich Gedanken macht, ist ja nicht per se ein Depp, weil er Zeit hat, sich Gedanken zu machen. Fussballbundesliga gucken oder Shoppen gehen sind dann doch auch zuviel Platz im Kopf, zuviel Zeitverschwendung….Hirngespinste, oder?
    Hier gefunden für oxly academy, z.B. Polyamerie:
    http://www.youtube.com/watch?v=xT5Xf65KwDA
    Monamerie ist eine mögliche Weiterentwicklung……

    • Kathrin Loose

      Mich würde mal interessieren, wie mehrere Beziehungen denn im realen Umfeld gelebt werden können. Was ist mit dem Freundeskreis oder den Nachbarn, den Kindern? Stehen die Autoren der Monamorie denn dazu und zeigen ihre Partner auch oder ist da die große Heimlichkeit im Spiel?
      Fußballbundesliga und shoppen sind vielleicht Zeitverschwendung, aber man kann sie wenigstens offen ausleben.

  • Petruschka

    KATHRIN! Natürlich heimlich! Alles andere zu glauben wäre naiv.

    Ich saß mal in einer Kirche. Hochzeit. Wunderschön.
    Der schon ältere Pfarrer predigte von der Liebe zu Gott, dem Leben und zu seiner Frau (die saß vorne und lächelte himmlisch).
    Zwischen den an 50 Leute verteilten Notenblättern fand ich: einen Zettel mit privater mail vom Pfarrer an eine Dame mit süßen Worten und Swingerclub-Dates in der übernächstgrößten Stadt.
    Ich habe ihn nicht verraten. Nur Ihr wisst es jetzt.
    Aber so ist die Welt. Nie so wie man sie sieht, etwas scheinheilig und eben zutiefst menschlich.
    Gottes Segen für Monamorie!

  • Leseratte

    Sind also Männer eher dafür und Frauen eher dagegen?

    Ich würde sagen: Lasst Worten Taten folgen. Nich soviel reden (schreiben), machen!
    Man kommt ja nicht einfach so auf solche Gedanken, da ist doch noch viel mehr dahinter, ist vorher schon viel mehr passiert.
    Wer die Idee einmal hatte, wird davon nicht loskommen bis sie IHN oder SIE los lässt…. Oder die „diktierte rechtverbindliche Langzeitbeziehung“ ,sprich Ehe-Partner, gegangen ist.

  • bofrost

    Monamorie ist nicht gegen Ehe oder eheähnliche Verhältnisse, sondern gerade der Langzeit-Baustein dafür. Denn auch eine christliche monogame Langzeitbeziehung über mehrere Jahrzehnte kann sich monamor entwickeln, sie sollte sogar. Was spricht denn dagegen? Monamorie, so hab ich es jedenfalls verstanden, ist ja gerade dafür gedacht, sich eben nicht mehr trennen zu müssen, von niemandem. Warum und wozu auch? Gemeinsam-alt-werden-Konzepte können erhalten bleiben, gemeinsames Vermögen wird nicht getrennt, Kinder verlieren nicht den Vater oder die Mutter, letztlich bleiben die Familien erhalten und entwickeln sich mit.
    Alle Partner haben alle Freiheiten, niemand versucht den anderen zu kontrollieren und Eifersucht oder gar Besitzansprüche befinden sich schon lange in der Klamottenkiste der Monamorie-Vorzeit.
    Oder hab ich da etwas nicht verstanden?
    Und….natürlich kann Monamorie öffentlich gelebt werden, warum nicht? Unter der Maßgabe der „professionellen Verwaltung“ der Zeitfenster, wird es kaum öffentliche Schnittflächen geben, die irgendwen verletzen könnten. Und falls es zu Überschneidungen führt oder mann/frau sich gar trifft, kann mann/frau sie doch mit einem Lächeln bedienen, oder?
    Keine/r nimmt einer/m was weg.
    Doch eines muss klar sein, wer monamor leben will, braucht monamore Partner. Halb geht nicht. Das bedeutet Ernsthaftigkeit und Beweglichkeit, denn Monamorie ist die fortwährende Weiterentwicklung der kommunikativen, sozialen, sexuellen, ichbezogenen und intellektuellen Kompetenzen. Vom Himmel fallen die nicht.

  • Karin

    Mir ist eingefallen, dass man diese These von der Monamorie gar nicht nur auf die Liebe zwischen Mann und Frau beziehen muss. Mein kompletter Freundeskreis ist monamor aufgebaut.
    Jeden meiner Freunde treffe ich in seinem eigenen Zeitfenster. Mit einer gehe ich gerne in die Sauna, mit der Nächsten nur ins Kino, die Nächste brauch ich zum quatschen und eine für die Kinderfragengespräche und die Nächste wieder nur zum Feiern.
    Sie sind nie alle zusammen, kennen sich untereinander nicht und haben sich nur einmal zu meinem Geburtstag alle „sehen müssen“. Da ist mir dann aufgefallen, wie unterschiedlich sie sind, wie viele verschiedene Bedürfnisse da an verschiedenen Personen abgedeckt werden.

    So gesehen kann man die Monamorie auf alle Lebensbereiche übertragen. Man sollte dieses Thema nicht zu eng sehen denke ich. Partnerschaftlich betrachtet denke ich jedenfalls, dass niemals ein einzelner Partner alle Bedürfnisse abdecken kann. 
    Ich erinnere mich an eine Situation vor vielen Jahren, da fragte mein damaliger Mann mich, ob ich ihn eigentlich noch lieben würde. Ohne nachzudenken antwortete ich: „Ja klar, natürlich. Aber manchmal denke ich, ich brauche einen Mann für die Familie und einen für die schönen Stunden.“ Er ging damals einfach zur Arbeit und gut. Aber ich hab das nie vergessen, weil es so ganz von innen kam. Und 5 Jahre später hatte ich eigentlich monamor gelebt, mit zwei Männer. Es war ganz einfach. Und ich war sehr sehr glücklich.
    Leider war es nicht von Dauer. Warum nicht? Darüber denk ich die ganze Zeit nach. Ich kann ja noch dazulernen.

  • Luise

    Den Begriff Monamorie kannte ich bisher nicht. Euch scheint er etwas zu bedeuten, erstaunlich, denn ich halte mich für viel belesen und weder beim Schmökern im Spiegel, der FAZ oder in der Zeit bin ich je darauf gestoßen. Worum geht es dabei? Um das schlichte Fremdgehen neben der Beziehung, die man nicht aufgeben möchte oder um eine Folge von Kurzbeziehungen oder den Treffen nach Terminkalender? Ganz verstehe ich es nicht. Oder ist damit gemeint, dass Menschen andere für dies und jenes benötigen? Mein Mann arbeitet, kümmert sich am Wochenende um die Kinder, geht mit mir spazieren, kocht gelegentlich aber wenn ich es mal richtig besorgt haben möchte, treffe ich zweimal monatlich den netten Bademeister und für die Galeriebesuche verarbrede ich mich mit meinem Kollegen und mit meiner ehemalige Komilitonin, mit der ich mal eine lesbische Phase hatte, mache ich jährlich eine zwei- bis dreitägige Städtereise der besonderne Art oder suche mir für dies und jenes in den Internet Kontaktbörsen ein passendes Gegenstück, am besten überregional. Pfui! So klappt das mit dem gemeinsam geborgen alt werden nicht.

  • Karin

    Ja warum denn nicht, das klingt doch gut und was ist daran PFUI?????
    „Mein Mann arbeitet, kümmert sich am Wochenende um die Kinder, geht mit mir spazieren, kocht gelegentlich aber wenn ich es mal richtig besorgt haben möchte, treffe ich zweimal monatlich den netten Bademeister und für die Galeriebesuche verabrede ich mich mit meinem Kollegen und mit meiner ehemalige Komilitonin, mit der ich mal eine lesbische Phase hatte, mache ich jährlich eine zwei- bis dreitägige Städtereise der besonderen Art oder suche mir für dies und jenes in den Internet Kontaktbörsen ein passendes Gegenstück, am besten überregional.“
    Beneidenswert! Monamorie pur….wenn der Mann es auch leben darf.

  • fesche lola

    Mit großem Interesse lese ich die Kommentare zu diesem spannenden Thema.
    Petruschka, warum sollen die „Aktivitäten“ außerhalb der bestehenden Partnerschaft heimlich ausgelebt werden? Transparenz und Offenheit gegenüber allen Beteiligten ist doch die Grundvoraussetzung, daß dieses Konzept überhaupt funktioniert. Wenn die Hauptpartnerschaft weiter bestehen soll, gehe ich doch von beiderseitigem Einvernehmen zu diesem Thema aus. Alles andere wären doch nur faule Kompromisse und eine Rechtfertigung für inofizielle Treffen mit potenziellen Partnern für gewisse Stunden.

  • Bruno

    Wenn die Weiber mit meiner Frau beim Kaffeeklatsch sonen Kram sabbelten, würde ich mit einen „Nun ist aber genug, ihr Sabbelgänse.“ die Faust auf den Tisch schlagen und alle nach hause schicken. Sowas fehlt uns noch. Bummelei und Herumscharwenzelei, damit solln se mal bei mir anfangen! Denen würde ich zeigen, wo wessen Platz ist. In der Küche und im Garten ist genug zu tun. Bei uns im Dorf läuft das nicht. Wem kocht sie heute das Essen und wer kocht mir meins – solche Spinnereien machen einen nur tüddelig. Es kann sich doch keiner die Namen merken und zu jedem Geburtstag sollst du dann auch noch gehen, weil sie sonst weinen und einem vorhalten, was der/die andere/n schönes gemacht haben? Diese Unruhe, son Spökenkram!
    Vermeintliche wissenschaftliche Begriffe für Untreue sind eine schlimme Sache. Die können sich nicht am Riemen reissen. Treue und Freiheit schließen sich aus. Sonen Blödsinn kann man nur im Internet verbreiten. Das sollten sie besser wieder abschalten. Es hat uns nichts Gutes gebracht bisher.

  • Dein schlechtes Gewissen

    Auweia, da hat ja das Ego von so manchen Kommentatoren wieder voll zugeschlagen! Diese lächerlichen Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche für Eure „Auswärtsspiele“ sind doch all zu durchschaubar. Eure festen Partner sollen sich blind und taub stellen, damit sie Euch bloß in keine lästigen und unangenehmen Situationen bringen. Aber Ihr wollt sie mit Respekt und Anstand behandeln, wie edel. Wenn das mal nicht gründlich in die Hose geht.
    Bleibt Euch selbst treu, dann kann nichts schief gehen.
    Viel Erfolg bei Euren Experimenten.

  • das gute gewissen

    diese Übermoralisierung ist wirklich auffällig. Alles verändert sich auf dieser Welt in rasender Geschwindigkeit, nur die Beziehung wird weiterhin gnadenlos romantisiert. Was soll das? Wem nützt das?
    Ich halte Monamorie für ein modernes ansprechendes Gedankenmodell. Ich muss es ja nicht praktizieren. Wem es gefällt, der soll es probieren. Papst Benedikt wäre sicher dagegen. Aber das hält die Welt nicht auf….

  • Peter Sonnenschein

    Alle Partnermodelle sind existent und werden von den Menschen in dieser und jener Form praktiziert. Früher nannte man die Nebenfrauen Mätressen. Der europäische Adel war berühmt dafür. Man schmökere die Literatur von Hans Fallada und betrachte die Bilder von Zille, um zu ahnen, was Mägde und Knechte sowie die Städter in ihren Milieus getrieben haben. Paris, die Stadt der Liebe – wie kam sie bloß zu diesem Namen? Das ist alles nichts neues bzw. der Rede wert. Im Web findet man unter polyamorie.de die Statements von Silvio Wirth, der das Verhältnis zur Polyamorie entkrampfen möchte. Es muss jeder selbst wissen, wo es langgeht. Hauptsache, keiner hindert einen und alle Standpunkte werden für die jweiligen Personen akzeptiert. Wie auch immer – damals Syphilis und heute Aids. Das ist zu berücksichtigen.
    Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang die Fälle von Jörg Kachelmann und Julian Assange und Dominique Strauss-Kahn. Sie zeigen welch Sprengstoff in dieser Thematik liegt.

  • Frau Neubauer

    Eines schickt sich nicht für alle. Sehe jeder, wie er’s treibe, sehe jeder wo er bleibe, und wer steht, dass er nicht falle. (J.W.v.Goethe)

  • angela

    Ein Interview mit Marianne Rosenberg und Judith Holofernes (Wir sind Helden). Letztere sagt: „Ich bin seriell monogam veranlagt.Monogamie mit Lücken. Jeder Mann ist mein Mann für immer. Wen ich es ernst meine, bin ich anhänglich und treu. Wenn die Bindung weniger stark ist, bin ich durchaus mit ‚erweitertem Blickfeld‘ unterwegs. Die Ehe ist keine personengebundene, sondern systemimmanente Entscheidung.Anfangs immer FÜR IMMER! Bis es vorbei ist“
    Ja, ist das denn nicht die hier viel diskutierte Monamorie????

  • Petruschka

    Nein angela, das ist sie nicht.
    Offensichtlich lesen wir die gleiche Zeitschrift. Sehr lesenswerter Artikel!!
    Es war Marianne Rosenberg, die mit ihren 56 Jahren fragt, warum es denn weh tun muss, wenn man von dreien gleichzeitig geliebt wird und ob das nicht ein antrainierter Zustand der Gesellschaft ist und dass der Familienbezug doch unheimlich wichtig ist.
    Judith Holofernes ist 35, verheiratet und hat sich für Monogamie entschieden, ohne „erweitertes Blickfeld“.

    Seriell monogam bedeutet, immer eine Beziehung abschließen bevor ne Neue kommt, ohne Nebenbeziehung.
    Seriell monoamoristisch bedeutet doch, mehrere gleichzeitig parallel laufende Beziehungen zu haben.

    Ich denke, dass es eine Altersfrage ist. Mit 30 oder 40 lässt man sich eben noch eher auf was Neues ein als mit 50 oder 60.
    Nach dem Motto: Alte Bäume verpflanzt man nicht.
    Oder?

  • Lisbeth

    @Angela – „…Wenn ich es ernst meine, bin ich anhänglich und treu. Wenn die Bindung weniger stark ist, bin ich durchaus mit ‘erweitertem Blickfeld’ unterwegs. “

    Ist das erweiterte Blickfeld aktiv oder passiv vorhanden? In einer nicht mehr so prickelnden Beziehung ist der Schleier der Verliebtheit oder die entschlossene Nähe in einer Phase des gemeinschaftlichen Aufbaus eines kleinen familiären Reichs naturgemäß nicht mehr vorhanden. Manche finden den Zustand sogar entspannt und okay, andere suchen den Kick, weil ihnen sonst etwas fehlt. Der Pfeil Amors kann jeden immer wieder treffen, auch kurzfristig, situationsbedingt und zwischendurch. Mit einem guten Partner an der Seite würde ich deswegen nicht aktiv nach ‚Nebenabnteuern‘ suchen. Andere sehen das anders. Ein allemeines Prinzip gibt es dafür nicht.

  • Sabine

    Mit einem guten Partner an der Seite, in einer intakten Beziehung, wo BEIDE es schaffen ihre Bindung aufrecht zu erhalten, sucht ja in der Regel auch niemand nach neuen Abenteuern.
    Also wenn mein Mann monatelang nur Arbeit und Sport an erste Stelle stellt, sich nie Zeit für mich nimmt, nie da ist wenn ich in brauche und ich mir eher wie ein Mitesser vorkomme, dann schau ich auch nach außen. Schließlich hat jeder Mensch seine Bedürfnisse.
    Das Talent liegt vielleicht darin, die Situation zu erkennen, dem anderen mitzuteilen und dann auch was zu ändern.
    Zumindest ist mein Mann dazu in der Lage, und so rappeln wir uns seit 16 Jahren immer wieder prima zusammen.
    Um später das Spiel von vorn zu beginnen. Ich hab ja auch nicht immer Zeit für ihn.
    Wenn man allerdings einen chronischen Egozentriker heiratet, der immer wegrennt wenn es Probleme gibt oder der glaubt, eine Frau allein sei langweilig, oder er möchte sich nicht einschränken lassen, oder er ist eben kompetent genug für „Zeitfensterliebe“, na dem ist eh nicht zu helfen.
    Arme blinde Frau würde ich sagen.
    Naja, jedenfalls steht ja oben geschrieben, es geht nur, wenn beide Partner das so offen leben wollen.
    Dagegen ist nun wirklich nichts zu sagen. Die Welt ist bunt.

  • Markus Stetter

    Es gibt keine Regeln für Beziehungen, nur die des Paares selbst.
    Alles andere ist dummes Geschnatter.

  • Dr. Vielweib

    Was kommt, wird genommen. So macht man sich hinterher keinen Vorwurf über verpaßte Chancen. Leute, haut rein1

    Dr. Vielweib

  • Bruno

    Für mich bleibt das ohne wenn und aber Fremdgeherei. Nun soll ja jeder nach seiner Facon glücklich werden. Ein Seitensprung muss die Ehe nicht gleich sprengen. Aber Freiheit hat ihren Preis. Er kann unter Umständen weit höher sein als der Wert einer kurzen Abwechslung. Wir haben dieses Jahr den grotesken Fall um einen bekannten Wetterfrosch und seine Art der ‚Monarmorie‘, wie ihr das hier nennt, über die Medien miterlebt. So kann es kommen.

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