Märchenskizzen aus dem Aussteigerwald

Besuch

23. 1. 2009

Die Bärin Anneliese bekam Besuch von ihrer Freundin Agnes, die in der letzten Zeit dazu neigte, alle möglichen Dinge bis ins letzte Detail zu bereden und  Treffen unnötig lange auszudehnen.  So war es auch diesmal. Agens aß und trank und redete in einem fort. Anneliese bekam viel über Agnes Nachbarn, ihre Arbeit und Gerüchte über Liebschaften in Bekanntenkreis zu hören. Zuerst war es nett,  doch irgendwann summten Anneliese die Ohren. Nachdem der letzte Kuchenkrümel verspeist war und Anneleise auffällig lange schon nicht mehr nachgegossen hatte,  war  die Bärin Agnes endlich bereit zu gehen und es erfolgte die unvermeidliche lange Verabschiedung. Dann hatte Agnes endlich die Höhlenpforte passiert und Anneliese seufzte erleichtert.

Gerne hätte sie sich nun vom Bären Kunibert aufmuntern lassen. Aber der wollte das Getratsche von zwei redseeligen Bärendamen nicht über sich ergehen lassen und hatte sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht, um den Abend mit Gleichgesinnten im Wald zu verbringen. Wahrscheinlich wurde dabei das eine oder andere Bier getrunken. So schnell würde Kunibert nicht zurückkommen, denn solche Bärenabende endeten meistens erst frühmorgens. So begaben sich Anneliese, die Nacktschnecken Wilma und Walter, die Enten Paul und Paula und die anderen Mitbewohnern zur Ruhe.

Nachwuchs

24. 1. 2009

Die Ankündigung des Nachwuchses von Margot und Horst, zwei Schweinen, scheint die anderen Waldbewohner zum Nachahmen anzuregen. Der Frühling ist noch weit weg, aber lauter seltsame Geräusche sind den ganzen Tag zu hören und selbst die Enten Paul und Paula treffen sich regelmäßig im Swimmingpool. Der Bär Kunibert  äußerte sich besorgt gegenüber seiner Bärin Anneliese: „Anneliese, wenn das so weitergeht,  müssen wir ausbauen!“
Die werdende Schweinemutti Margot macht schon unter der Aufsicht von Anneliese geburtsvorbereitende Übungen. Ihr Mann Horst schüttelt nur ungläubig den Kopf und flüchtet mit einer Flasche Bier in der Pfote zu seinem Freund Kunibert. Gemeinsam beobachten sie das Treiben und schmieden Pläne für einen Höhlenausbau.

Winter

24. 1. 2009

Schneebedeckte Berge

Schneebedeckte Berge

Klirrende Kälte herrscht im  Aussteigerwald. Überall türmen sich die Schneemassen. Die Bäume knarren unter ihrer Last. Ihr frostiges Knacken ist laut und beängstigend. Die Pfade sind kaum noch begehbar zu halten. Der Bär Kunibert verkürzt seinen abendlichen Spaziergang und lauscht den Geräuschen der Nacht. Es droht keine Gefahr und in der warmen Höhle ist es gemütlicher. Beim Betreten dringen seltsame Schmatzgeräusche in seine Lauscher. Überall wispert und raschelt es.

„Anneliese, was geht hier vor?“, erkundigt er sich.

Sie klärt ihn auf: „Paula und Paul meinten, dass in wenigen Tagen ein Kußwettbewerb stattfinden soll. Daraufhin fingen alle an zu üben. Die Jury soll aus dem alten Eulenpärchen Huh und Huhu bestehen.“

Kunibert schüttelt ungläubig seinen Kopf. So ein Unsinn! Davon hat er noch nie etwas gehört. Doch Anneliese zuliebe, die sich schon mit der goldenen Anstecknadel umherlaufen sieht, lässt er sich in ihre Pranken ziehen, doch insgeheim ahnt er, dass die Nacktschnecken Wilma und Walter in dieser Disziplin die wahren Meister sind.

In der Bärenhöhle ist es am nächsten Morgen noch still, nur Kuniberts Schnarchen erfüllt den Raum. Anneliese ist schon munter und schleicht auf leisen Tatzen zum Bärenhöhleneingang. Sie öffnet die knarrende Pforte und stößt dabei auf Widerstand. Was ist das? Dann drückt sie ihr ganzes Körpergewicht gegen die Tür, die schließlich nachgibt, worauf sie in den Schnee purzelt. Anneliese freut sich und schüttelt ihren Pelz, um sich vom Schnee zu befreien. Die schlafenden Tiere in der Bärenhöhle werden von diesem Radau geweckt und laufen noch schlaftrunken ins Freie, allen voran das Schweinepaar Margot und Horst, deren Schwänzchen wippen und sich kringelen. Margot wälzt sich im Schnee und Horst tut es ihr gleich. Die Enten Paul und Paula watscheln, angespornt vom Getöse der Schweine, aufgeregt nach draußen. Langsam sind alle Bewohner der Bärenhöhle im Schnee versammelt, nur Kunibert versteht die Aufregung nicht. Er kümmert sich um das Feuer im Kamin und kocht einen großen Topf Kakao. Bibbernd und unterkühlt kommen die Tiere in ihr Heim zurück und begeben sich zum Frühstückstisch, den von Kunibert mit vielen Leckereien gedeckt ist. Anerkennend legt Anneliese ihre durchgefrorende Tatze um ihren Mann, zwinkert ihm zu und greift nach ihrem Becher, der eigentlich ein großer Kochtopf ist.

Nächster Morgen. Während die Schweine Margot und Horst noch gemütlich auf dem frischen Stroh in ihrem Koben liegen  und schlafen, sitzt Kunibert schlaftrunken auf der Lagerkante. Anneliese bringt ihm einen dampfenden Becher und zaust seinen Kopfpelz zur Aufmunterung. Es hilft alles nicht; er muß trotz der Kälte raus, denn draußen sind unter der Last der Schneemassen Bäume umgestürzt, die schnellstens aus dem Weg geräumt werden müssen. Kunibert bereitet daraus Feuerholz. Viel Hilfe kann er von seinen tierischen Freunden nicht erwarten, weil er viel stärker ist als sie. Das geben sie aber nicht zu und erfinden Ausreden. Horst hat angeblich Gelenkschmerzen, die Enten halten sich für zu klein und die Schnecken sind beim Ruf „Feuerholz sammeln“ schnell verschwunden. Anneliese erscheint, bringt ihm seine Bärenstiefel und meint: „Na komm, alter Brummbär. Das machen wir zusammen!“ Auf die ist wenigstens Verlaß, denkt Kunibert und rafft sich auf. Sie machen sich an die Arbeit.

Weihnachten verläuft unspektakulär wie stets unter Tieren, sofern sie nicht im Bratofen der Menschen landen. Kunibert hat die Idee, eine Gans zu braten. Doch ist das zum Scheitern verurteilt. Ihm wird eine noch lebende Weihnachtsgans gebracht, die sehr schön ist und sofort an der Höhenpforte als Wachgans überzeugt. Sie weist darauf hin, das leckere Pfannkuchen mit viel Honig und Zimt einen Weihnachtstisch besser zieren als eine kleine arme Gans, die gerupft im Ofen vor sich hin schmorte. Da bieten Anneliese und Kunibert der Gans Elvira ein Plätzchen in der Bärenhöhle an.

Tage später bringen die milderen Temperaturen den meterhohen Schnee im Aussteigerwald langsam zum Schmelzen. Durch einen umgestürzten Baum hat die Eingangspforte einen Schlag abbekommen. Ein faustgroßes Loch ist entstanden. Zuerst wird es gar nicht beachtet. Als Anneliese morgens aufwacht und sich von ihrem Lager aufrappelte, hat sie jedoch ein flaues Gefühl im Bauch. Irgendetwas stimmte nicht. Sie macht, wie jeden Morgen, ihren Rundgang steht plötzlich knöcheltief mit ihren Tatzen im kühlen Naß. Tauwasser ist in den Eingangsbereich der Höhle gedrungen. Vor Aufregung brummt sie. Im Nu sind alle Tiere munter. Die Enten zeigen sich erfreut und schwimmen munter in der Pfütze. Das Schweinchen Margot behält einen kühlen Kopf, scheuchte die Enten beiseite und holt alles saugfähige Material, das in der Höhle zu finden ist. Kunibert versteht die Aufregung nicht. Er lacht über die geschäftige Versammlung. Annelise grollt: „Kunibert“. Doch der holt rasch seinen Fotoapparat und knipst ein paar Schnappschüsse von dem bunten Treiben. Einige Höhlenbewohner wischen mit Handtüchern, Lappen und getrocknetem Moos das Wasser auf. Kunibert und Horst machten sich an die Reparatur der Höhlenpforte.

Ein typischer Morgen in der Bärenhöhle
26. 1. 2009

Die Schnecken Wilma und Walter, die früh einen Gang vor die Höhle unternommen hatten, ließen verlauten, dass es draußen nicht nur dunkel ist und es wegen der dunklen Wolken auch so bleiben würden; sie teilten den verstörten Kameraden mit, dass es regnete. Die Enten schüttelten erschauernd ihre Federn, Margot schmiegte sich noch dichter an Hotte und allgemein war festzustellen, dass die Neigung zum Aufstehen und dem Nachgehen der alltäglichen Belange gering war. Die Belegschaft musste motiviert werden. Das sah Anneliese, sonst würde die ganze Bagage den lieben langen Tag nicht rausgehen. Sie schubste den sich scheintod stellenden Kunibert zärtlich aber bestimmt über die Bettkante hinaus, so daß er wachwerden mußte. Bevor er brummelig zur Morgentoilette davonschleichen wollte, wurde er von Anneliese erst zum ordentlichen Anfeuern der Kamine verdonnert. Die Elfen, die sich nachts um so etwas zu kümmern haben, konnten Kühle besser vertragen und sparten mit dem Holz. Die Hitze der Kamine und würzige Düfte aus der Küche würden die Bewohner schon munter bekommen. Die Aktivitäten der Bären wurden von den Enten, Schnecken, Schweinchen und so weiter mit der üblichen Verwunderung aber auch Vorfreude auf ein leckeres Frühstück betrachtet. Wer es noch konnte, stellte sich schlafend, sobald Annelieses Blick in seine Richtung fiel,  um nicht in die Aktivitäten eingespannt zu werden. Einer halbwachen launigen Bärin sollte man vor dem Frühstück besser aus dem Weg gehen.

Der Schreibtisch

27. 1. 2009

Bei einem seiner langen Streifzüge durchs Unterholz kam Horst in die Nähe eines Sägewerkes und sah dort einen schönen Stapel frisch geschnittener Holzbretter, die unter einem Dach zum Trocknen abgelegt waren. So wie sie da lagen, verlangten sie regelrecht danach, nächtens stibitzt zu werden. Er eilte zu Kunibert und erzählte ihm von seinem Fund. Der wünschte sich schon lange einen ordentlichen bärengerechten Schreibtisch und so wurde der Plan gefaßt, ein paar von diesen Brettern abzuholen. Horst sollte aufpassen und die Eulen konnten von oben die Lage im Auge behalten. Anneliese würde mit anfassen, denn auch sie hatte ein paar Möbelwünsche.

Am späten Nachmittag schwang sich die Krähe Elvira in die Lüfte und beobachtete das Sägewerk aus der Luft. Allmählich machten sich die dort beschäftigten Arbeiter  auf den Heimweg. Dann schloß der letzte das Tor ab.  Elvira informierte die anderen und die Bande machte sich bei einbrechender Dunkelheit auf den Weg. Horst hielt sich dicht bei den Bären, da sein Orientierungssinn in Dunkeln nachließ. Nur gut, dass er später nicht alleine Wache schieben sollte und die Eulen mit von der Partie waren. Anneliese hatte Horst verboten, laut zu grunzen, was dem bei dem flotten Marsch durch den Wald nicht leicht fiel. Doch hatte er während einiger anderer nächtlichen Aktionen gelernt, ruhig zu sein und hielt sich für ein Schwein recht wacker. Mitunter sprang er in den Bollerwagen, den Kunibert für den Holztransport mitgenommen hatte, und ließ sich ein Stück ziehen. Bald war man am Tatort angekommen.
… Wie geht es weiter?

Besuch von Agnes 2. Teil

27. 1. 2009

Schon wieder einmal hatte die stattliche  Bärendame Agnes, eine liebe Freundin von Anneliese, ihren Besuch angekündigt. Sie nimmt einen ganzen Tag Fußmarsch in Kauf, um in den Aussteigerwald zu gelangen. In ihrem Gepäck befindet sich auch sicherlich wieder ihre Kulturtasche, denn sie liebt es, bei Freunden zu übernachten. Anneliese überlegte nun angestrengt, wie sie den potenziellen Schlafgast nach dem Besuch wieder nach Hause bugsieren kann. Da kam ihr eine zündende  Idee – im Schuppen befindet sich ein großer Bollerwagen, den Kuninbert und Horst für ihre Beutezüge oft benutzen. Flink schnappte sie sich das Gefährt und Kunnibert mußte sich zur Probefahrt hineinsetzen. Da half auch kein Protest seinerseits; die Tragfähigkeit mußte getestet werden. Das Schweinepaar Margot und Horst halfen Anneliese, den Bollerwagen zu bewegen. Perfekt dachte sie, Agnes ist nicht ganz so schwer wie  Kunibert, das müsste klappen. Dem zügigen Abtransport  von Agnes dürfte jetzt nichts mehr im Wege stehen. So kann Anneliese ihre Freundin zu gegebener Zeit in den Bollerwagen verfrachten und Agnes wird sicher in ihrem gemütlichen Heim landen. Einen Haken hat der geniale Plan aber noch. Wer zieht den Wagen? „Das wird sich finden.“, brubbelt sie vor sich hin. Gelassen und mit Vorfreude sah sie jetzt dem Besuch entgegen.

Am nächsten Tag war es soweit. Mit einem weit hörbaren Schnaufen und Brummen näherte sich Agnes. So mancher trockene Zweig zerbrach unter ihrem schweren Schritt. Viele der Tiere, die  ihre Bären Anneliese und Kunibert als gutmütige Kameraden kannten, zogen sich bei diesen Geräuschen erstmal zurück. Anneliese sollte Agnes nach der Begrüßung daran erinnern, dass die hier lebenden Tiere keine Beute für hungrige Bären waren und die wichtigsten Benimmregeln des Aussteigerwaldes kurz rekapitulieren. So geschah es auch gleich nach ihrer Ankunft. Um diese Angelegenheit zu vereinfachen, erhielt Agnes ein großes Holzbrett, auf dem viele Brotscheiben dick bestrichen mit Honig lagen.  Nach dieser sättigenden Delikatesse fiel es ihr leicht, die wieder angetrotteten Schweine, Enten, Hühner und anderen Tiere freundschaftlich um sich herum zu akzeptieren. Doch überraschte es sie sehr, dass die Küken ihr unter der Leitung der Ente Paula  ein Willkommensständchen sangen.  Anneliese seufzte; die Ente hätte sie vorher fragen sollen. So würde es abermals schwerfallen, Agnes nach einer angemessenen Besuchszeit wieder nach Hause zu schicken.   ….

Das Senfei

28. 1. 2009

Ein Senfei lag in der Senfsoße in einem Topf und langweilte sich. Doch dann erschien eine Gabel, piekste in das Ei und hob es empor.  Voller Entzücken nahm es seine Umgebung wahr.    „Oh, wie interessant“, dachte es. „Das ist die Küche. Das flache Brett mit den vier Beinen wird der Eßtisch sein.“ Das Ei wurde auf einen Teller gelegt. Darauf befanden sich schon die Kartoffeln, die vom Senfei freudig begrüßt wurden.  Jemand schüttete eine Kelle Soße über das ganze. Nun zerteilte die Gabel das Senfei, nahm eine Hälfte auf und führte sie zu einem Mund und steckte sie hinein. Voller Aufregung ließ die Senfeihälfte den Vorgang des Zerkaut- und Heruntergeschlucktwerdens über sich ergehen und rutschte die Speiseröhre hinunter in den Magen. Dort traf es andere Nahrungsmittel, die dem Brei aus einer Senfeihälfte gutgelaunt ihr „Hallo“ zuriefen. Kurz darauf traf auch die andere, gut zerkaute Senfeihälfte im Magen ein. Nun begann eine abenteuerliche Reise durch den Magen-Darm-Trakt, an dessen Ende die Reisegenossen des Senfeis mit ihm zu einer dichten  Masse  verrührt waren. Auf einmal wurde starker Druck darauf ausgeübt. Es wurde gepreßt und gedrückt. Dann flutschte sie ins Freie und landete platschend  in einer Pfütze in einer Porzellansschüssel. „Oh“, rief ein Bestandteil der runtergeplumsten Masse. „Schaut bloß nicht nach oben. Das sieht scheußlich aus.“ Plötzlich rauschte Wasser heran und spülte die Masse, zu der unser Senfei gehörte, weiter. Die abenteuerliche Reise durch die Kanalisation begann.

Steckbrieflich gesucht werden ein Bär und ein Schwein

30. 1. 2009

Euch wird bestimmt nicht entgangen sein, dass Kunibert und sein Kumpel Horst ihre kriminelle Energie bei so manchem Beutezug nachhaltig ausleben. Hier mal eine LKW-Ladung Lebensmittel, dort ein Picknickkorb von Urlaubern; nichts ist vor den beiden sicher. Neuerdings gehen sie öfters auf Entdeckungsreise, wie sie es nennen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass bei ihrem letzten Ausflug ein Mißgeschick passierte. Ohne den Tatort vorher richtig in Augenschein genommen zu haben, schleppten sie das Diebesgut hurtig davon. Plötzlich hörten sie seltsame Geräusche. Eine Überwachungskamera klickte und filmte den Diebstahl. Vor lauter Schreck ließen die liebenswerten Ganoven die kostbare Beute fallen und flüchteten so schnell sie konnten in den Aussteigerwald. Horst mit seinen kurzen Beinen hatte Mühe, mit Kunibert Schritt zu halten. Hätten sie doch nur ihren Bollerwagen mitgenommen, der könnte jetzt als Fluchtfahrzeug dienen.

Geschafft, die Bärenhöhle war in Sichtweite. Zum Glück hatte nur die Kamera geklickt und nicht die Handschellen des Sheriffs. Die weitsichtige Krähe Elvira raunte Kunibert in das Ohr, dass schon überall Steckbriefe des Räuberduos aushängen. Was nun? Gibt es für die beiden Diebe mildernde Umstände, weil sie am Tatort stets ein Entschuldigungsschreiben hinterlassen haben?

Die Polizei, die den Überwachungsfilm auszuwerten hatte, glaubte natürlich nie daran, dass ein Bär und ein Schwein gemeinsame Sache machen und fahndete nach zwei Ganoven, die im Bären- und Schweinekostum auf Diebestour waren. Es war kein großer Schaden entstanden und der Polizeichef fand diesen Fall nicht besonders wichtig. Daher wurde er an einen alten Polizisten übertragen, der kurz vor der Pensionierung stand, und nur noch einfache Sachen zu erledigen hatte. Die Tourismusbehörde sah den Fall anders. Sie fand es reizvoll, mit dem Räuberduo Bär und Schwein Aufmerksamkeit zu wecken, weil es sich davon eine Menge zusätzlicher Urlauber erhoffte. An einem Parkplatz mit einem besonders schönen Ausblick auf die Landschaft wurde ein Restaurant namens ‚Bär und Schwein‘ eröffnet. Die Inneneinrichtung war rustikal. Über dem Kamin hing ein schönes Gemälde, das einen Bären und ein Schwein im schnellen Schritt zeigte. Der Bär trug einen Sack über der Schulter. Im Hintergrund war ein aufgebrochener Süßwarenladen zu erkennen. Der Souvenirshop neben dem Restaurant verkaufte Schweine- und Bärenkostüme, bei derem Anblick die Kinder ihre Eltern bedrängten, ihnen eines davon zu kaufen. Und so kam es, dass in dem kleinen Städtchen am Fuße eines Berges unterhalb des Aussteigerwaldes häufig  unechte Bären und Schweine zu sehen waren.

Der Kochwettbewerb

5. 2. 2009

Die Bärendame Anneliese kämpfte mit ihrer Erkältung. Sie überlegte angestrengt, wie sie den heutigen Koch- und Backwettbewerb im Aussteigerwalde ohne ihren Geschmacks- und Geruchssinn bestreiten sollte und schneuzte heftig in ihr Taschentuch, das eigentlich ein Handtuch der Menschen war.  Sie wurde von den Märchenwaldbewohnern und den Buchmachern schon als haushohe Favoritin gehandelt, aber konnte sie den Erwartungen mit ihrer Erkältung gerecht werden? Kunibert ging zu ihr und umarmte sie mit seinen großen Pranken. Er schlug vor, sie als ihr persönlicher Speisenabschmecker zum wichtigen Ausscheid zu begleiten. Er kannte ihre leckeren Gerichte gut und zweifelte nicht an ihrem Sieg. Ermuntert ging Anneliese in die Vorratskammer, um die Zutaten für das 3-Gängemenü zusammenzustellen.

Nun sollte man aber nicht annehmen, dass eine Bärin alles alleine kocht. Für das Schälen des Gemüses, das Hacken der Kräuter  und so mancherlei andere Tätigkeiten sind Bärenpranken nicht so recht geeignet. Anneliese würde diese Arbeiten ihren Haushaltshelfern, den Elfen, überlassen. In der Tierwelt sah man über solche Kleinigkeiten hinweg.

Es ging auf den Abend zu. Die Tiere wurden hungrig. Die Jury aus den Enten Paul und Paula, dem Schwein Horst, der Schildkröte und der Krähe Elvira beobachteten gespannt das Treiben an der Kochstelle. Natürlich wußten sie, dass Anneliese keine Konkurrenz hatte. Weder Margot das Schwein noch Getrud und Getrude waren auch nur annähernd so versiert beim Bereiten von leckeren Speisen. Doch behielten die Jurymitglieder bis zur Fertigstellung der Gerichte ihre würdigen Mienen, um die Kontrahenten zu Bestleistungen zu ermuntern. Schließlich stürzten sich alle auf die fertigen Gerichte.

Wie sonst auch, kam es auch diesmal nicht zur Siegerehrung, die laut den Büchern, die Anneliese gelesen hatte, dazugehörte. Die vollgefressenen, satten Tiere hatten nach der Mahlzeit einfach kein Interesse an solchen Dingen. Sie waren müde und dösten.  Anneliese konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Gemeinschaft des Aussteigerwaldes sie gründlich auf den Arm nahmen, um regelmäßig besonders gute Mahlzeiten herauszuschlagen. Der Feinschmecker Kunibert nahm dazu nie Stellung. Mit einem leichten Brummen wischte er Annelieses diesbezügliche Zweifel beiseite. Sie dachte sich ihren Teil und betrachtete die Schar um sich mit einem freundlichen Kopfschütteln. Irgendwann, dachte sie, würde sie denen mal etwas völlig ungenießbares zusammenstellen.

Eine Antwort auf Märchenskizzen aus dem Aussteigerwald

  • Hans im Glück

    Tausend Dank für die lustigen und lebendigen Geschichten – ich würde auch sehr gerne im „Aussteigerwald“ wohnen. Ist der neue Anbau schon realisiert worden? Welche Voraussetzungen sollte man als neuer Mitbewohner mitbringen?

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