Komplexes Bio-Programm im Pflanzensamen

Vier ausgetrocknete Samen eines Hokkaido Kürbisses wiegen 1 g. Man kann sie jahrelang aufbewahren. Sie erscheinen wie trockene, tote Objekte. Dabei sind sie hochkomplexe Gebilde mit einem fantastischen Programm und sie haben die Fähigkeit, ihre Umgebung auf bestimmte Parameter zu überprüfen, um dann eines Tages aus ihrem Schlaf zu erwachen und ihren Zweck zu erfüllen, nämlich eine Kürbispflanze wachsen zu lassen. Das gilt natürlich auch für alle anderen Pflanzensamen, wie beispielsweise die Reste in einer Vogelfuttertüte. Im März jeden Jahres gebe ich eine Handvoll solcher Samen in einen Becher und fülle ihn mit Wasser. Am nächsten Tag bedecke ich einen Teller mit feuchtem Toilettenpapier und streue darauf die gewässerten Samen. Darüber wird eine Frischhaltefolie gespannt, die ein Austrocknen verhindert. Innerhalb weniger Tage keimen viele Samen. Oft weiß ich nicht, welche Pflanzen dort entstehen. Bei Kürbissen und Sonnenblumen kann ich es erkennen, auch bei Getreide, aber im gemischten Vogelfutter oder in nicht gemahlenen Gewürzen befinden sich für mich unidentifizierbare Samen.

Die Schale des Kürbissamens steckt auf den ersten Blättern.

Bleiben wir beim Kürbissamen, weil er durch seine rund 1 cm Länge gut zu erkennen ist und beim Erkennen günstiger Umstände einen rapiden Vorgang startet. Erstaunlicherweise funktioniert dies in gleicher Weise bei Kürbissamen aus dem letzten Jahr, aber auch mit wesentlich älteren Exemplaren.

Ganz junge Sonnenblumen

Ich weiß, dass der Monat März in Deutschland ein guter Zeitpunkt ist, um einen Kürbis keimen zu lassen und in die Erde zu pflanzen. Aber draußen in der Natur kennen Samen selbst den richtigen Zeitpunkt, zumindest die Exemplaren, die nicht von Tieren verspeist wurden. Welche Signale sind das? Wir können keine App erkennen, die dem Kürbissamen sagt: „Fang an!“ Er weiß das selbst. Feuchtigkeit, Temperatur und andere Faktoren spielen hier eine Rolle.

Kürbis: Rasches Wachsen kurz nach dem Keimen.

Auf jeden Fall funktioniert der ausgetrocknete Samen auch nach langer Zeit einwandfrei. Sobald er die Umstände für richtig hält, zieht er sich Wasser und Nährstoffe aus seiner Umgebung und beginnt zu keimen. Schon nach wenigen Tagen hat ein Kürbiskern zwei fleischige Blätter entwickelt und ein beachtliches Wurzelwerk, das mit Hochgeschwindigkeit an seinem Wachstum arbeitet. Kann man die Komplexität dieser Aktionen mit einem Computerprogramm vergleichen? Im digitalen Zeitalter stellt man sich diese Frage. Und ebenso sieht man, dass die Natur eine schier unglaubliche Menge solcher Bio-Programme in winzigen Samen unterbringt, wobei jedes Detail in sehr langen Zeitspannen perfektioniert wurde, um sich einer ändernden Umgebung anzupassen.

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