Haus beinahe explodiert. Gasalarm

Berlin. An der Ecke Samoastraße/Kiautschoustraße steht ein mehrstöckiges Wohnhaus mit vielen Mietparteien. Es ist verwahrlost. Kaum etwas in diesem Haus wurde in den vergangenen Jahrzehnten ordentlich in Stand gehalten. Die Erbengemeinschaft, der diese Berliner Mietskasernen gehört, lebt in Süddeutschland fernab von dieser Immobilie und ihrem Zustand.

In den Häusern, die um 1900 herum gebaut wurden, sind Züge für die Kohleöfen und Gasleitungen verbaut. Würde man ein solches Haus röntgen, sähe man ein verzweigtes Netz aus Rohren für das Gas und Hohlräume für den Abzug des Qualms der Öfen. Aber auch Stromleitungen wurden verlegt, manche sind mehr als ein halbes Jahrhundert alt, und die Isolierung der Kabel ist brüchig geworden. Zudem gibt es die Wasserversorgung und Telefonleitungen. Durch den Wandel der Technik und dem Verschleiß, bzw. materialbedingten Haltbarkeitszeiträumen, ist die Frage, was an einem großen Haus zu tun ist, immer präsent. Ist genug Geld vorhanden und die Hausverwaltung entsprechend motiviert und kompetent, kann ein Wohnhaus durch Inspektionen und Instandhaltungen sehr lange in einem guten und zeitgemäßen Zustand gehalten werden.

Es geht aber auch anders. Dann fallen gelegentlich Ziegel vom Dach und Putz bröckelt von der Fassade. Im Haus kommt es regelmäßig zu Wasserschäden durch Lecks in der Versorgung. Richtig gefährlich wird es, wenn es um Gas geht. Falls irgendwo Gas ausströmt und ungehindert in einem Raum ein explosives Gemisch entsteht, kann dies fatale Folgen haben. Gasexplosionen können Wohnhäuser teilweise oder ganz zerstören.

Am 9.2.2013 bemerkte eine Mieterin in dem oben genannten Haus einen Gasgeruch. Sie alarmierte die Feuerwehr. Kurz danach wurde die Gaszufuhr des Hauses unterbrochen, weil die Experten ein Gasleck im Haus feststellten. Das geschah an einem Samstag. Die Hausverwaltung war zunächst nicht erreichbar.

Bei Gas ist die Gefahr so groß, dass unverzüglich gehandelt werden muss. Im Zweifel wird das Gas abgestellt, auch bei Außentemperaturen von -6°, wie es die Bewohner erlebten. Nach dem Abstellen kam es zu einer Wartung durch einen Baufachmann, doch kurz darauf wurde der Gas-Entstördienst erneut gerufen, weil eine Mieterin Zweifel an der samstäglichen Improvisation hatte. Die wieder eintreffenden Gas-Experten sahen dies genauso und stellten das Gas erneut ab. Es kam die Order, dass es erst wieder angestellt werden durfte, nachdem ein qualifiziertes Gasunternehmen die Angelegenheit gründlich inspiziert und den Schaden behoben hatte. Erst zwei Tage danach wurde das Haus wieder mit Gas versorgt. Die Temperaturen in den mit Gas beheizten Zimmern waren auf 12° abgesunken, wenn die Mieter keine Radiotoren oder andere alternative Heizmittel hatten.

Gasalarm. Absicherung durch die Polizei

Gasalarm. Absicherung durch die Polizei

Am 17.2.2013, also eine Woche später, roch ein Mieter im Hausflur erneut Gas. Er sprach im Hof einen anderen Mieter an und fragte ihn, ob er ebenfalls Gas riechen würde. Nach kurzem Hin und her wurde das Gas deutlich wahrnehmbar und der Mieter setzte über die Telefonnummer 110 eine Meldung gab. Vor dem Hintergrund der erst wenige Tage zurückliegenen  Gasabstellung in dem alten Haus war die thematische Sensibilisierung hoch und erschien das dringend geboten.Die Polizei erschien nach wenigen Minuten. Ein Beamter betrat den Hausflur, schnupperte, kam wieder heraus und nickte. Sein Kollege sprach in ein Gerät und rasch erschienen weitere Polizisten und die Feuerwehr. Mittlerweile war auch die Hauswartfrau erschienen und ein im Hause lebender Baufachmann. Experten stellten fest, dass es sich nicht um Stadtgas handelte, sondern um das Flüssiggas Propan. Es lag also nicht am Haus. Aber woher kam es?Des Rätsels Lösung dürfte selbst einen hart gesottenen Menschen in Erstaunen versetzen. Im Hause lebte ein Mann, der Altmetall verwertete. Er war an acht große Propangasflaschen geraten, in denen sich Gasreste befanden. Im Keller des Hauses beseitigte er die Ventile, woraufhin ihnen Gas enströmte. Gas ist schwerer als Luft. Auf dem Boden des Kellers bildete sich eine gefährliche Gasschicht und allmählich drang etwas davon nach außen und wurde im unteren Hausflur spürbar. Die Feuerwehr stellte im Keller mit Messgeräten eine hohe Gaskonzentration fest. Die Werte waren dermaßen alarmierend, dass eine große mobile Entlüftungsmaschine herbei gefahren wurde, um das Gas aus dem Keller zu saugen.

Berlin. Gasalarm mit Feuerwehr

Berlin. Gasalarm mit Feuerwehr

Ein Polizist teilte uns mit, dass Einsätze dieser Art den Verursachern in Rechnung gestellt werden. Die Personalien des Altmetallverwerters wurden aufgenommen. In seinem Keller standen einige der geöffneten Gasflaschen. Der Sachverhalt war eindeutig. Der Vorfall zog eine Anzeige und einen umfänglichen Bericht nach sich. Der Polizist meinte, dass dieser Einsatz etliche 1000 € kostete.

Feuerwehr

Feuerwehr

Aus nachbarschaftlicher Sicht ist der Vorfall zwiespältig zu betrachten. Für die kleinen Leute in diesem Kiez dürfte eine Rechnung für so einen Einsatz nicht bezahlbar sein. Hier sind Hartz IV-Bezüge an der Tagesordnung und die kleinen Geschäfte nebenbei finanzieren das alte Auto. Mehr steckt nicht drin. Aber die akute Gefährdung eines Mietshauses nebst den darin lebenden Menschen und vorübergehende Passanten ist absolut nicht akzeptabel.

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