Frohe Weihnachten?

„Frohe Weihnachten!“, ist leicht gesagt. Manchmal sieht die Wirklichkeit anders aus. Wie dieses Jahr …  Seit Tagen stürmt und regnet es. Die Sonne scheint nicht zu existieren. Nur auf dem Weg von Berlin nach einem niedersächsischen Ort entbietet sie einen letzten Gruß zwischen Hennigsdorf und der Autobahnauffahrt bei Eichstädt, einem kleinen Dorf mit einem prächtigen Weihnachtsbaum neben der Kirche. Auf einem grünen Acker steht eine große Schar Kraniche, die den Flug in den Süden noch nicht angetreten haben. Nach einigen Kilometern auf der Autobahn ist der Himmel über Neuruppin schon wieder grau bedeckt. Unterwegs fällt ein Scheinwerfer aus; die Laune sinkt. Am Ziel angekommen, scheint der Tag noch gar nicht angebrochen zu sein. Der Regen prasselt gegen die Scheiben des Hauses und manchmal schlägt eine nicht ganz hochgezogene Jalousie gegen den Fensterrahmen, wenn ein Windstoß sie in Bewegung setzt. Nach drei Gängen zwischen Auto und Haustür hat mich der Regen durchnäßt.

Weihnachtsbaum in Eichstädt

Weihnachtsbaum in Eichstädt

Mögen die Weihnachtstage und Silvester schnell vorübergehen. Während meiner Zeit als Angestellter waren solche Feiertage, wenn sie wochentags stattfanden, willkommene arbeitsfreie Zeiten. Doch in Wirklichkeit waren sie selten frei. Als Freiberufler habe ich gar nicht das Bedürfnis, an solchen Schmuddeltagen ‚frei zu nehmen‘. Es gibt viel schönere Jahreszeiten. Doch einige Menschen um mich meinen, dass an diesen ‚Festtagen‘ etwas nach ihren Vorstellungen zu passieren hat, auch wenn ich die Zeit am liebsten für meinen eigenen Kram nutzen würde. Bei schlechtem Wetter und kurzen Tagen käme ich gar nicht auf die Idee, eine Fahrt zu einem feuchtkalten Ort mit mehrtägigen Aufenthalt anzutreten, doch die Umstände lassen nicht locker.

Alljährlich findet der Spießrutenlauf durch einen Korridor aus unerfüllbaren Erwartungen und Vorwürfen statt. Erwachsene kaufen für einander sinnlose Geschenke, was an sich schon stressig ist. Dass man andere nicht in dem Maße gewürdigt und beachtet werden, wie sie es gerne hätten, rächt sich nun. An solchen Tagen werden seltsame Sätze ausgesprochen: „Du bist schuld daran, dass jemand traurig ist.“ Nicht jeder sieht das so und viele Menschen haben sogar Spaß an dem Geschehen, an Kirchengängen und Geschenken unter dem Weihnachtsbaum. Aber andere eben nicht!

Nur eine Woche später ist Silvester, ein Tag, den viele nicht alleine ertragen. Und dann gibt es noch die eigenen und fremden Geburtstage. Mag jeder die Tage verbringen, wie sie/er möchte, jedoch ohne diejenigen in die Pflicht zu nehmen, die sie nur als lästig empfinden, ohne ihnen deswegen Vorwürfe zu machen oder sie unter Druck zu setzen. Vielleicht verlaufen solche Tagen bei euch netter und entspannter? In dem Sinne:  „Frohe Weihnachten!“

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