Die Büchse der Pandorra – Atomkraft

Musste es wieder zu einer atomaren Katastrophe kommen? Vor kurzem wurden die Laufwerkszeiten von Kernkraftwerken in Deutschland auf Wunsch von unserer obersten Diplom-Physikerin Angela Merkel verlängert. Die Castor-Transportgegner werden von der Polizei beiseite geschleppt. Wahnsinn, der erst dann zutage tritt, wenn das dumme Politikergeschwätz durch die Ereignisse überholt wird. Lernen wir es nie? Nach Sellafield, Harrisburg und Tschernobyl? Wieviel Gift müssen wir uns noch in die Welt pusten, bis wir einsehen, dass das eine Sackgasse ist?

Japan-Nagasaki-Atomexplosion-1945 - Quelle: Library of Congress

Japan-Nagasaki-Atomexplosion-1945 – Quelle: Library of Congress

Ausgerechnet Japan! 1945 scheint lange her zu sein. Damals fielen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Und nun gerieten gleich drei Atomkraftwerke in Japan außer Kontrolle. Radioaktive Wolken, Atomgift in Nahrungsketten. Wir werden schlimme Folgegeschichten zu hören bekommen. Schaltet die Atomkraftwerke endlich ab! Sie sind ein viel zu hohes Risiko für unsere Welt.

Das geht nicht, weil wir den Strom brauchen und mit fossilen Brennstoffen zuviel CO2 erzeugen? Vielleicht, aber dann nur unter Wahrung höchster Sicherheitsbedingungen.

Kein AKW auf unsicherem Boden

Auf keinen Fall gehört ein Kernkraftwerk an einen Standort, der von Tsunamis und starken Erdbeben beeinträchtigt wird. Was Japaner sich geleistet haben, ist unverzeihlich. Das Kernkraftwerk in Fukushima wird wohl einige Jahrzehnte lang den Nordpazifik mit hochgiftigen radioaktiven Substanzen kontaminieren. Die Vergiftung des Meeres bleibt nicht ohne Folgen für den dortigen Fischfang und letztlich auch für unsere Nahrung. Wo bleibt der Aufschrei der Weltgemeinschaft, die energisch eine Schließung solcher Standorte fordert? Klar brauchen die Länder Strom und auch jene, deren Territorien sich absolut nicht für Kernkraftwerke eignen. Dafür muss man Lösungen finden. In einer hoch entwickelten Gesellschaft mit solidem technischen Know-how, tektonisch unbedenklichem Boden und genügend Kühlwasser mag ein gut geführtes Atomkraftwerk akzeptabel sein. Jedoch zeigte das Unglück in Tschernobyl, welche enormen Risiken auch auf vermeintlich sicheren Böden entstehen können.

Kann man deswegen völlig aus der Kernkraft aussteigen? Das wäre riskant, weil Nationen, die mit hohem Aufwand Fachkräfte ausgebildet haben und strenge Sicherheitsstandards entwickelten, ihre Kompetenz verlieren, während Schwellenländer beim Bau von Kernkraftwerken und ihrem Betrieb wahrscheinlich dieselben Fehler machen, wie die frühen Kernkraftnationen.

5 Antworten auf Die Büchse der Pandorra – Atomkraft

  • Inge

    Danke für die klaren Worte!
    Dass unsere Politiker immer noch so rumeiern und jetzt sich zu drei Monaten (!) Verlängerungsstopp bequemt haben, das setzt der Absurdität die Krone auf! Die Atomlobby ist offensichlich zu mächtig, das dürfen die Japaner jetzt und wir irgendwann auch ausbaden..

  • Jochen

    Was sich in Japan abspielt, ist eine furchtbare Katastrophe, die sich weltweit bemerkbar machen wird. Das Gift und die radioaktiven Substanzen werden sich weit verteilen.

  • S. Mahlow

    Im Herbst vergangenen Jahres hat die Kanzler Angela Merkel im Zusammenhang mit ihrer Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerde behauptet, dass die Stromversorgung in Deutschland gefährdet sei. Aber nun scheint das nicht mehr zu gelten, denn 7 AKW werden schnell abgeschaltet. Gibt es also doch keine Stromversorgungsprobleme? Es ist klar erkennbar, dass wir von den Regierenden getäuscht werden. Mit einem billigen 3-Monate-Anti-AKW-Kurs will Merkel sich nun durch die Landtagswahlen mogeln.

    Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD, war von 2005 bis 2009 Bundesumweltminister und hat 2009 ein modernes kerntechnisches Regelwerk eingeführt, das vom heutigen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) außer Kraft gesetzt wurde. Die heute zu Prüfung genommenen Sicherheitsmaßstäbe sind 30 Jahre alt. Einige der in Deutschland laufenden AKW hätten längst abgeschaltet werden müssen.

  • Murat

    Baden-Württembergs (Atom-) Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat für seine Atommeiler immer die Lanze gebrochen. Jetzt vor den Landtagswahlen geht ihm und der CDU der Arsch auf Grundeis. Die Wähler haben keinen Bock mehr auf die Atom-ist-sicher Lügen. Leider musste erst das Unglück in Japan stattfinden, bevor eine neue breite Stimmung gegen Atomenergie einsetzte. Kanzlerin Angela Merkel, die die hämische Interpration ihrer AKW-Abschaltung als Wahlkampftheater gemein findet, sollte sich schämen. Ein so eindeutiges und peinliches Verhalten muss abgestraft werden.

  • lotte

    Die Japaner tun mir Leid. Ständig Erdbeben und dazu dieser Atomunfall, den man nicht in den Griff bekommt. Man merkt aber schon, dass das Thema in den Medien zur Randerscheinung geworden ist. Darüber darf es nicht zum Vergessen kommen. Die Atomindustrie muss möglichst bald von alternativen Stromerzeugungsformen abgelöst werden. Das wird leider etliche Jahre dauern, in denen Tschernobyl und Fukushima allen Staaten eine wichtige Mahnung zum Wechsel bleiben muss.

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