Die Vorstellung, dass ein Berliner Reiseführer Objekte im Sprengelkiez als Sehenswürdigkeiten aufführt, mutet abenteuerlich an. Okay, hier steht das weltweit bekannte Robert-Koch-Institut, das erwähnenswert ist. Ansonsten hat Berlin so viele mächtige Highlights in der Nähe, dass dieses kleine Gebiet im Ortsteil Wedding wohl nur selten in das Programm der Stadtführer gelangt. Dennoch hat sich jemand für Wikipedia die Mühe gemacht, eine Aufstellung der lokalen Sehenswürdigkeiten zu veröffentlichen.
Neben der Liste befindet sich ein Foto vom Kurt-Schumacher-Haus, ein tristes Gebäude, das nicht im Traum daran gedacht hat, jemals als Sehenswürdigkeit erkannt zu werden. Nach welchen Kriterien dieses Bauwerk ausgewählt wurde, bleibt im Dunkeln verborgen. Ein weiteres Highlight auf der Liste ist das ‘Arbeitsamt Wedding’. Wahrscheinlich bewegt es Ströme von Touristen zu sich, doch scheinen diese eine unsichtbar machende Tarnkappe zu tragen.
Das Café Achteck am Pekinger Platz, ein altes öffentliches Pissoir, das vor wenigen Jahren restauriert wurde, gilt als Sehenswürdigkeit. Bislang ist noch keine Diskussion darüber entbrannt, dass hier nur Männer ihr kleines Geschäft erledigen konnten/können. Diese Einrichtung wurde 1878 vom Stadtbaureat Carl Theodor Rospatt entworfen. Das wirft die Frage auf, welche Möglichkeiten der Erleichterung seinerzeit den Damen zugedacht waren.




@oxly Immer noch totales schid Wetter und weiter am PC tätig. Um hier mal die Diskussion zur seinerzeitigen öffentlichen Erleichterung von Frauen aufzumachen. Im Vergleich dazu hatten die Frauen z.B. das erste reichsweite Wahlrecht in Deutschland am 19. Januar 1919 mit der mit der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung in Weimar und nachfolgender Gründung der Weimarer Republik. Vielleicht hatte man dann in den Wirren der Weimarer Republik vergessen, die öffentlichen Toilettenhäuschen zu emanzipieren. Zum Glück gibts heute dazu: http://www.p-mate.ch/ aus der Schweiz. Vielleicht sollte daher am Café Achteck ein P-Mate Spender angebracht werden. Problem wäre gelöst. Übrigends, das allgemeine, gleiche und freie Wahlrecht für Frauen gibt es in der Schweiz erst seit 1971. Unglaublich! Die einen sind in Europa halt mit dem Wahlrecht für Frauen schneller und andere in Europa haben eben schneller Lösungen für die “öffentliche Erleichterung von Damen” parat. Wobei natürlich die öffentliche Erleichterung durch allgemeine, gleiche und freie Wahlen auf jeden Fall schwerer wiegt.
Anmerkung: Die Bildunterschrift unter dem Bild “Arbeitsamt – JobCenter – Müllerstr.” ist so nicht richtig. In diesem Gebäude ist heute nicht mehr das Arbeitsamt sondern die Arbeitsagentur. Das Jobcenter für den Berliner Wedding bzw. Berlin-Mitte ist zurzeit in der Sickingenstr. 70 in Berlin-Moabit.
Wow, bei dem trüben trostlosen Wetter war dieser Artikel für mich als im Sprengelkiez Wohnender ein Anlass, einen ordentlichen Lachanfall zu bekommen. Das Arbeitsamt/JobCenter als Sehenswürdigkeit – nicht schlecht!
Das war der entscheidende Tipp! Jetzt weiss ich, wohin ich mit meinen Eltern bei ihrem nächsten Berlinbesuch unbedingt gehen muss.
Wie jetzt? Und das legendäre Pornokino in der Sprengelstraße war da nicht aufgeführt?
Oxly: Aha! Ein Kenner der Szene meldet sich: ‘Die alte Manier’
Wie konnte der Wikipedia-Autor diese Kulturstätte ungenannt lassen?
Auf irgendeiner Seite hab ich mal als Sehenswürdigkeit den Madenautomat in der Tegeler Straße aufgeführt gesehen… hihi