Fahrt mit der Deutschen Bahn. Teuer, überfüllt, verspätet

10.12.2012. Berlin. Seit Tagen herrscht Frost und es hat tüchtig geschneit. Der Witterung führt zu der kurzfristigen Entscheidung, eine Fahrt von Berlin zu einem kleinen niedersächsischen Ort zwischen Stade und Cuxhaven nicht im Auto sondern mit der Deutschen Bahn zurückzulegen. Sie würde hin-und zurück 164 € kosten, was mehr als doppelt so viel ist, wie der Sprit für die Fahrt im eigenen Pkw kostet. Happig! Dafür wird die erste Teilstrecke von Berlin nach Hamburg im ICE zurückgelegt. Im Vergleich zur gesamten Fahrtzeit im Auto, die circa 4 Stunden beträgt, bewältigt man diese Strecke mit der Zugverbindung in circa 3 Stunden. Rechnet man die Fahrten zwischen dem Ausgangspunkt und Bahnhof sowie dem Zielbahnhof und dem endgültigen Ankunftsziel nebst Wartezeiten, Recherchen und Beschaffung eines Tickets hinzu, ist die Fahrt im eigenen Auto auf jeden Fall vorteilhafter. Fahren mehrere Personen zusammen, ist die Deutsche Bahn völlig überteuert.

Am Abfahrtstag fahre ich wegen des Schneetreibens mit dem Taxi zum Hauptbahnhof, beschaffe mir eine Fahrkarte am Schalter und warte in dem nasskalten und zugigen Bahnhof auf den ICE nach Hamburg. Ich vermisse mein angenehm temperiertes Auto mit ruhiger Begleitmusik. Auf einmal erscheint mir die Witterung doch nicht so widrig. Vielleicht würde die Fahrt im Auto bei vorsichtiger Fahrt eine Stunde länger dauern, aber ich müsste mich nicht diesen Unannehmlichkeiten und hohen Ausgaben stellen. Zudem gebe es keine zeitlichen Zwänge, wie feststehende Abfahrtszeiten. Einem kleinen Päuschen in der schneebedeckten Landschaft mit warmen Tee aus der Thermoskanne stünde nichts im Wege. Genug geträumt, die Entscheidung ist getroffen, die Würfel längst gefallen.

In den Minuten vor der Einfahrt füllt sich der Wartebereich am Gleis zusehends. Passen alle diese Menschen in den Zug, frage ich mich. Da läuft er ein und wir drängen in die Waggons. An vielen Plätzen leuchtet ein Reserviert-Signal. Ich ergattere den Platz für Begleiter von Behinderten. Glücklicherweise ist keiner im Abteil. Im Gang zwischen den Sitzen und beide Türen stehen Leute mit ihrem Gepäck. Sie bekommen keinen Sitzplatz. Eine Mutter hockt mit ihren beiden Kindern auf dem Gang und bemüht sich, es ihnen erträglich zu machen. Ich überlege, ihr meinen Platz anzubieten, aber was soll das nützen mit den beiden Kindern und ihrem Gepäck? Der Platz würde nicht ausreichen.

ICE – überfüllt. Menschen ohne richtigen Sitzplatz

Im überfüllten Zug laufen die Leute hin und her. Ich sitze am Gang und ständig berührt ein Vorbeigehender meine Knie. Unangenehm! Die Automatiktür vor mir öffnet und schließt sich immer wieder, oft ohne erkennbaren Anlass. Es ist total ungemütlich. Ich wünsche mir die alten Eisenbahnwaggons zurück, die durchgehend in Abteile für sechs Personen gegliedert waren anstelle dieses überfüllten Großraumabteils, das anmutet, wie ein Berliner Bus zur Zeit des Berufsverkehrs. Ein Zugbegleiter erscheint und fragt nach den Fahrkarten. Jemand erkundigt sich bei ihm, ob an anderer Stelle noch Plätze frei seien. Er verneint dies. Es erstaunt mich, dass ein ICE-Züge so überbucht wird. Die Leute, die sich eine teure Fahrkarte gekauft haben, um im Gang zu stehen, werden um den Komfort geprellt, den die Bahn ihnen eigentlich verspricht und, meiner Ansicht nach, auch verkauft. Es kann nicht angehen, dass Fahrgäste so behandelt werden. Ein leicht erreichbarer Sitzplatz sollte jedem zustehen.

Nach dem Hauptbahnhof hält der Zug kurz in Spandau und fährt anschließend ohne Unterbrechung zum Hamburger Hauptbahnhof. Auf dem Display wird eine Geschwindigkeit von 180 km/h angezeigt. Ich dachte, dass ein ICE mindestens 200 km/h fährt. Passend zum Thema erfahren wir vor Hamburg, dass der Zug mit einigen Minuten Verspätung einfahren würde. Warum das? Hinter mir murmelt jemand, dass die Deutsche Bahn Strom sparen möchte. Der Antriebswagen soll zwei Motoren haben. Mit einem schafft man maximal 180 km/h und für höhere Geschwindigkeiten wird die zweite Maschine angeworfen. Um Strom zu sparen, wird langsamer gefahren. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber um 11:57 Uhr, der Soll-Ankunftszeit, ist der Zug längst nicht in der Nähe des Bahnhofs. Ich denke an die Abfahrtszeit des Anschlusszuges, der 9 Minuten später losfährt, und werde nervös. Offenbar bin ich mit dieser Empfindung nicht alleine, wie das hektische Gedränge der Leute mit ihrem Gepäck in Richtung der Türen vermittelt. Der Zug erreicht Hamburg mit sechs Minuten Verspätung. Glücklicherweise sitze ich ganz dicht bei einer Tür und komme schnell aus dem Zug. Mit leichtem Gepäck und schnellem Schritt haste ich die Treppe empor und eile zum benachbarten Gleis, wo der Anschlusszug mit bereits geschlossenen Türen steht. Es sieht so aus, als ob ich es nicht schaffen wurde, aber zwei weitere Mitreisende aus dem ICE sind etwas schneller. Sie erreichen eine Tür, drücken den grünen Knopf und tatsächlich öffnet sie sich nochmal. Ein Mann sieht mich und bleibt in der offenen Tür stehen, bis ich sie erreicht habe. Kaum bin ich im Zug, schließt sich die Tür und er fährt ab, bevor ich einen Platz eingenommen habe. Nur drei Personen aus dem ICE haben diesen Anschlusszug erreicht! Alle, die eine ungünstigere Ausstiegsposition im ICE hatten, weniger gut zu Fuß waren oder sich einen Moment in dem Bahnhof orientieren mussten, verpassten ihn. Für eine einfache Fahrt dieser Art 82 € zu kassieren, ist frech. Wer so zum Umstieg vom PKW zur Bahn motivieren möchte, macht es falsch oder handelt geheim im Auftrag der Regierung zur Unterstützung der Automobilindustrie.

Der Zug, in dem ich nun sitze, ist ein so genannter Metronom. Er ist doppelstöckig und gehört einem privaten Betreiber, was kein Grund sein kann, dass nicht ein Mindestmaß an Koordination von Anschlussverbindungen auch bei leichten Verspätungen von anderen Zügen stattfindet.

Zwei Tage später trete ich die Rückreise gemeinsam mit einer Verwandten an. Der Metronom bringt uns nach Hamburg, wo wir zum Gleis des ICE nach Berlin eilen, der um 15:56 Uhr abfahren soll. Beim Anblick der Menschenmasse am Gleis entsteht ein starker Widerwille gegen das Fahren mit dem Zug. Es ist klar, dass wieder ein Gerangel um freie Plätze ausbrechen würde. Die Spannung unter den Wartenden ist spürbar. Der Zug läuft ein. Meine Begleiterin gelangt vor mir hinein und kapert ein Abteil, dessen Plätze mit dem seltsamen Kommentar ‚gegebenenfalls reserviert‘ versehen sind. Vier weitere Personen drängen ein, alle mit Gepäck, für das die Ablage gar nicht reicht. Im vollen Abteil ist es eng. Die Dame neben mir hustet, ein anderer Herr meint, dass er Fieber hat. Zwei Herren neben uns erzählen, dass der ICE, der vor einer Stunde fahren sollte, aus angeblich technischen Gründen ausgefallen war. Wir erfahren weiterhin, dass die Herren aus Leipzig stammen und zusammen für die Hin-und Rückfahrt 400 € bezahlt hatten. Eine ungeheure Summe, wie ich meine, vor allem angesichts der beinahe entwürdigenden Fahrumstände und des ausgefallenen Zuges. Der erklärt die Anzahl der Mitreisenden. Dicht neben der hustenden Dame sitzend, frage ich mich, ob ich zur Fahrt in der Deutschen Bahn eine Erkältung oder einen grippalen Effekt als Reisegeschenk mitnehmen werde.

Am nächsten Tag bestätigen Hals- und Kopfschmerzen diese Befürchtung. Schöne Aussichten für die nächsten Tage! Vielleicht habe ich das Prinzip der Deutschen Bahn nicht richtig verstanden. Die von meiner Seite als unangenehm empfundenen Begleitumstände könnten kostenpflichtige Zugaben mit raffiniertem Marketinghintergrund sein, die ich nicht angemessen zu schätzen weiß. Vielleicht übersehe ich, dass die Zielgruppe für diese Fahrten masochistische Beigaben erwartet, auf die ich gerne verzichte. 82 € für eine einfache Fahrt unter den geschilderten Umständen mit hohem Risiko auf die Übernahme eines Erkältungsinfekts durch die ungewollte und keineswegs kuschelige Nähe in überfüllten Zügen? Freiwillig nie wieder!

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